Die pakistanische Regierung hat den Taliban-Machthabern in Afghanistan den Krieg erklärt. In der Nacht zum 27. Februar bombardierte die pakistanische Luftwaffe Dutzende Ziele, vor allem Armeebasen und Munitionsdepots in der afghanischen Hauptstadt Kabul sowie in den Provinzen Paktika und Kandahar. Bei den Angriffen kamen auf beiden Seiten zahlreiche Menschen ums Leben oder wurden verletzt.
Die Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich seit der Machtübernahme der Taliban im Sommer 2021 deutlich verschlechtert. Pakistan wirft der Taliban-Regierung vor, den pakistanischen Taliban, den Tehrik-e-Taliban (TTP), Schutz und Unterstützung auf afghanischem Boden zu gewähren. Diese haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Anschläge verübt, vor allem im Grenzgebiet zu Pakistan und in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Laut dem „Pakistan Institute for Conflict and Security Studies“ kamen 2025 mehr als 600 Sicherheitskräfte und Hunderte Zivilisten durch terroristische Attacken ums Leben.
Pakistan fordert Vorgehen von Afghanistan gegen TTP
Die afghanischen Taliban stehen der TTP zwar ideologisch nahe, agieren aber als eigenständige Bewegung. Zwar bestreiten die Taliban eine aktive Unterstützung der TTP vehement, doch ein Bericht der internationalen Denkfabrik Crisis Group bestätigt, dass sich TTP-Kämpfer auf afghanischem Boden bewegen. Unklar bleibt, in welchem Umfang die Taliban sie tatsächlich unterstützen oder mit ihnen kooperieren.
Bereits nach der Machtübernahme der Taliban hatte Pakistan versucht, die afghanische Seite zu einem härteren Vorgehen gegen die pakistanischen Taliban zu bewegen, etwa durch Grenzschließungen, Handelsblockaden oder zuletzt die Ausweisung Hunderttausender afghanischer Geflüchteter. Gleichzeitig flog die pakistanische Luftwaffe zahlreiche Angriffe auf mutmaßliche TTP-Ziele in Afghanistan, die zumeist von den Taliban mit Angriffen auf pakistanische Stützpunkte entlang der rund 2.400 Kilometer langen Grenze beantwortet wurden.
Auch der Konflikt mit Indien spielt eine Rolle
Verschärft wurde der Konflikt vermutlich auch durch eine Annäherung der Taliban an Pakistans Erzfeind Indien. So wurde der afghanische Außenminister Amir Khan Muttaqi im Oktober als bisher höchster Taliban-Diplomat in Neu-Delhi von der indischen Regierung empfangen, nachdem beide Länder eine Vertiefung ihrer diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen angekündigt hatten.
Der Konflikt zwischen Pakistan und Indien geht auf die britische Kolonialzeit zurück. Immer wieder führen die beiden Länder bewaffnete Auseinandersetzungen. In Bezug auf Afghanistan wirft Pakistan Indien vor, Terror von afghanischem Boden aus in Pakistan zu unterstützen. So bezeichnete der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif die Taliban als eine Art indische Marionetten, die gegen Pakistan eingesetzt würden. Der Sprecher der afghanischen Taliban-Regierung, Sabihullah Mudschahid, wies dies zurück und bestand darauf, Afghanistan habe nichts mit den TTP zu tun.