Verbände kritisieren mangelnde Fortschritte bei inklusive Bildung
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Themenfoto: Inklusive Grundschule (Archivbild)
Düsseldorf (epd).

Die inklusive Bildung in Nordrhein-Westfalen kommt nach Einschätzung von Fachverbänden nicht voran. Das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung habe sich in den vergangenen zehn Jahren nicht wesentlich weiterentwickelt, kritisierte der Inklusionsfachverband „Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen NRW“ am Montag in Düsseldorf.

Während die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf steige, seien die Regelschulen darauf nicht genügend vorbereitet, erklärte der Verband. Hinzu komme der Lehrkräftemangel. Doch das NRW-Schulministerium lasse die kommunalen Schulträger mit dem Ausbau der inklusiven Bildung weitgehend allein. Denn der Unterricht von Schülern mit Unterstützungsbedarf erhöhe den Finanzbedarf der Schulen und sei angesichts knapper Kassen immer weniger zu erfüllen.

Nach Angaben des Elternvereins „mittendrin“ aus Köln wollen die kommunalen Schulträger zwar die Zahl der Förderschulen von aktuell 488 um mindestens 30 erhöhen. Doch damit würden die knappen Ressourcen lediglich in noch mehr Förderschulkapazitäten gesteckt, anstatt die Bedingungen für die inklusive Beschulung zu verbessern.

Mit eigenem Aktionsplan inklusive Bildung stärken

Vor diesem Hintergrund haben der Inklusionsfachverband, der Elternverein und die Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe NRW einen Aktionsplan für inklusive Bildung aufgelegt. Er sieht unter anderem vor, angesichts des Lehrkräftemangels die verfügbaren Personalstellen bedarfsgerechter zu verteilen und die Planung neuer inklusiver Schulen am regionalen Bedarf auszurichten. Ziel sei es, bis 2035 für jeden Schüler und jede Schülerin mit sonderpädagogischem Förderbedarf ein inklusives Schulangebot vor Ort bereitzustellen.

Die beteiligen Vereine verweisen darauf, dass laut dem 2014 in Kraft getretenen neunten Schulrechtsänderungsgesetz die sonderpädagogische Förderung vor allem an einer Regelschule stattfinden soll. Zwar habe die aktuelle Landesregierung die Aufstellung eines Aktionsplans im Koalitionsvertrag angekündigt, bisher jedoch nur einzelne Maßnahmen getroffen, kritisieren sie. Für viele betroffene Schüler gebe es daher bislang keinen wohnortnahen inklusiven Schulplatz.

Ressourcentrennung aufheben, überlastete Schulen unterstützen

Der bestehende Mangel an sonderpädagogischen Fachkräften verschärfe die Konkurrenz zwischen Förderschulen und inklusiven Regelschulen, heißt es im Aktionsplan. Fehlende Personalkapazitäten würden häufig durch Abordnungen ausgeglichen, was aber den Fachkräftemangel zwischen Schulen und Schulformen verlagere. Solange sonderpädagogische Ressourcen getrennten Systemen zugeordnet werden, bleibe dieser Wettbewerb bestehen, mahnen die Vereine und werben dafür, sonderpädagogische Ressourcen schrittweise in ein gemeinsames System zu überführen und nicht zwischen Förderschulen und inklusiven Schulen zu trennen.

In dem Aktionsplan schlagen die Vereine auch „deutliche Stellenzulagen“ und eine doppelte Schulleitung aus pädagogischer Leitung und Verwaltungsleitung an inklusiven Schulen vor. Denn die aktuelle Situation zeige, dass es an manchen Schulen eine Häufung von Kindern mit Förderbedarf gibt, heißt es. Besonders betroffen sind demnach Schulen in Einzugsgebieten mit geringem Sozialindex und hohem Bevölkerungsanteil mit prekären oder migrantischen Hintergründen.

Von Frank Bretschneider (epd)