Diakonische Stiftung warnt vor Rückschritten bei Inklusion
Bad Oeynhausen (epd).

Die Diakonische Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen warnt nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt vor Rückschritten bei der Inklusion von Menschen mit Behinderungen. „Wenn Menschen nach Herkunft oder sozialem Status oder vielleicht bald auch Beeinträchtigung bewertet und ausgeschlossen werden, droht auch ein Rückschritt bei der Inklusion“, sagte der Theologische Vorstand der Stiftung, Marian Zachow, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Im Wahlprogramm bestimmter Parteien werde deutlich, dass Inklusion nicht gewollt sei, sagte Zachow, der 2025 die Leitung der Stiftung Wittekindshof übernommen hatte. Noch beziehe sich das auf die Schulen. Sollten in Sachsen-Anhalt populistische und extremistische Parteien gemeinsam regieren, sei zu befürchten, dass diese Debatte auf dem Rücken von scheinbaren Minderheiten, etwa Menschen mit Beeinträchtigung, ausgetragen werde.

Populistische Kräfte steuern in Richtung „Re-Exklusion“

Über Kurz oder Lang würden populistische Kräfte - nicht nur in Sachen Anhalt - versuchen, in Richtung „Re-Exklusion“ zu steuern, sagte der theologische Vorstand. Dazu brauche es keine politischen Grundsatzentscheidungen oder parlamentarische Beschlüsse. Wenn das politisch gewollt sei, könne man kleinen Trägern bereits durch verzögerte Rechnungszahlungen oder staatliche Kostenerstattungen das Überleben schwer machen. Besonders gefährdet seien etwa kleine Einrichtungen, Suchtberatungsstellen und Frühförderstellen. Bei einer Partnerstiftung in Sachsen-Anhalt seien die Sorgen der Träger und der Menschen mit Behinderungen bereits groß.

Zachow zeigte sich zugleich überzeugt, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung eine Abkehr von der Inklusion nicht wolle - auch viele Wähler populistischer Parteien nicht. Selbstkritisch müsse sich die Diakonie fragen, ob sie in der Vergangenheit ausreichend vermittelt habe, wie sehr die Gesellschaft vom gemeinsamen Wohnen, Arbeiten und Leben profitiere. „Inklusion ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern die ganze Gesellschaft profitiert davon“, betonte er. Der Wittekindshof unterstützt nach eigenen Angaben mit rund 3.900 Mitarbeitenden Menschen mit und ohne Beeinträchtigung in allen Lebensphasen.

epd-Gespräch: Holger Spierig (epd)