Special Olympics und Bethel athletics zum Abbau von Berührungsängsten
s:49:"50-Meter-Lauf der Frauen bei den Special Olympics";
50-Meter-Lauf der Frauen bei den Special Olympics
Drei Fragen an Bethel-Bereichsleiterin Antje Pyl
Saarbrücken, Bielefeld (epd).

In diesem Jahr laden die Nationalen Spiele der Special Olympics im Saarland (15.-20. Juni) und die Bethel athletics in Bielefeld (4. Juli) wieder zu inklusiven Sportfesten ein. „So eine Veranstaltung kann wie ein Katalysator wirken“, sagte die Leiterin des Bethel-Fachdienstes Bewegung und Gesundheitsförderung, Antje Pyl, dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Berührungsängste können abgebaut werden.“ Ihr Fachdienst richtet auch die Bethel athletics aus.

epd: Was zeichnet Veranstaltungen wie Bethel athletics oder die Nationalen Spiele der Special Olympics aus und was bedeuten sie für die Teilnehmenden?

Antje Pyl: Es sind beides inklusive Sportfeste für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen. Ihr Ziel ist es aber, nicht nur spezifische Sportfeste für diese Zielgruppe anzubieten, sondern inklusive Angebote. Es geht darum, den Sport und die Leistung der Sportlerinnen und Sportler in den Mittelpunkt zu stellen. Die Special Olympics gehen mehrere Tage und zeichnen sich durch Vorqualifizierung aus, die Bethel athletics sind an einem Tag. Dementsprechend haben die Special Olympics deutlich mehr Wettkämpfe als wir.

Für die Sportlerinnen und Sportler sind die Bethel athletics hier das Jahreshighlight. Leider gibt es nämlich nicht so viele Sportveranstaltungen. Es ist ein Tag, an dem die Sportlerinnen und Sportler mit ihren Leistungen im Mittelpunkt stehen und von Kolleginnen und Kollegen sowie Ehrenamtlichen unterstützt werden. Es ist toll zu sehen, wie viel Freude die Teilnehmer haben und was auch im Hinblick auf Sportlichkeit möglich und machbar ist.

epd: Was können solche Veranstaltungen anstoßen?

Pyl: So eine Veranstaltung kann wie ein Katalysator wirken. Berührungsängste können abgebaut werden. Das ist schön zu sehen. Bei den Bethel athletics gehen zum Beispiel Vertreter der Stadt Bielefeld mit einer großen Mannschaft beim Volks- und Tandemlauf an den Start. Und auch bei Boule, Tischtennis und dem Reitturnier ist es wirklich eine inklusive Veranstaltung. Sport hat die Möglichkeit, Brücken zu bauen. Es ist völlig egal, wo ich herkomme, welche Schule ich besucht und welches „Päckchen“ ich zu tragen habe. In vielen Bereichen ist das sonst oft eine Hürde. Es ist etwas, was wir tagtäglich bei Bethel leben und umsetzen, aber durch den Sport wird es noch einmal anders gesehen.

epd: Aus Ihren Erfahrungen: Was muss sich noch ändern, damit Sport sowie Vereine insgesamt und auch im Alltag inklusiver werden?

Pyl: Es gibt natürlich bauliche Barrieren bei Sportveranstaltungen. Sowohl wir als auch die Special Olympics wollen aber vor allem Barrieren im Kopf abbauen. Nur weil dieser Mensch oder weil die Leistung vielleicht anders ist, ist sie nicht besser oder schlechter. Eine große Herausforderung ist, dass es nach wie vor einfach viel zu wenig Übungsleiter im Vereinsbereich gibt, die unterstützen können. Wichtig wäre auch, die betroffenen Menschen mehr zu beteiligen. An vielen Stellen sprechen wir darüber, welche Barrieren abgebaut werden müssen, anstatt wirklich die Betroffenen mit ins Boot zu holen.

Außerdem braucht es auch ein Umdenken: Dass ein Verein inklusiv ist, sollte Normalität sein. Er sollte nicht als besonders gelten, weil er ein Angebot für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen hat. Provokativ gesagt, müssten die Vereine, die das Angebot noch nicht haben als exkludierend gelten. Natürlich wissen wir auch aus der tagtäglichen Arbeit, wie schwierig das in der Umsetzung ist.

epd-Gespräch: Marc Patzwald