In Deutschland leben laut dem Paritätischen Gesamtverband so viele Menschen in Armut wie noch nie seit 2020. Im vergangenen Jahr seien 13,34 Millionen Menschen arm gewesen, erklärte der Verband unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. 16,1 Prozent der Bevölkerung waren demnach betroffen.
Seit einem Tiefstand im Jahr 2023 sei die Zahl der Armen um gut 1,2 Millionen gestiegen, errechnete der Paritätische Gesamtverband. Hauptgeschäftsführer Joachim Rock sprach von einer „krisenhaften Situation“ und warnte die Bundesregierung vor Einschnitten bei Sozialleistungen. Zusätzliche Einsparungen würden die Krise verschärfen, sagte Rock im Deutschlandfunk. Es sei besorgniserregend, dass die Armutsquote im zweiten Jahr in Folge erheblich gestiegen sei.
NRW auf Platz fünf bei Armutsbetroffenheit
In Nordrhein-Westfalen waren dem Bericht zufolge 17,6 Prozent der Menschen betroffen. Damit lag das bevölkerungsreichste Bundesland auf Platz fünf nach Bremen, Sachsen-Anhalt, Hamburg und Berlin. Der Anteil der armen Menschen ist laut Paritätischem auch in NRW gestiegen: 2023 hatte er noch bei 16,7 Prozent und damit knapp einen Prozentpunkt niedriger gelegen.
Das Saarland lag mit einer Armutsquote von 15,5 Prozent im vergangenen Jahr auf dem 13. Platz im Bundesländervergleich, wie der Bericht ergab. 2024 betrug der Wert noch 15,3, im Jahr 2023 waren es 14,3 Prozent.
Viele Alleinerziehende betroffen
„Das soziodemografische Profil von Armut hat sich gegenüber den Vorjahren kaum verändert“, heißt es im Armutsbericht des Paritätischen. „Nach wie vor sind Alleinerziehende sowie alleinlebende Personen die am stärksten von Armut betroffenen Haushaltsgruppen.“ Überdurchschnittlich hoch sei die Armut auch in den Altersgruppen zwischen 18 und 25 sowie ab 65 Jahren.
2020 waren dem Bericht zufolge etwa 13,2 Millionen Menschen in Deutschland arm. Die Zahl sank dann bis 2023 auf rund 12,1 Millionen. Danach ging sie wieder nach oben. Für NRW sieht die Entwicklung ähnlich aus. Wegen veränderter Erhebungsmethoden sind Daten aus der Zeit vor 2020 mit den späteren Berechnungen nur eingeschränkt vergleichbar, wie der Paritätische erläuterte.
Armutsgrenze bei 1.445 Euro im Monat für Alleinlebende
Als arm gelten laut EU-Definition Menschen, die in einem Haushalt leben, der weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens aller Haushalte in Deutschland zur Verfügung hat. Im Jahr 2025 lag die Grenze bei 1.445 Euro im Monat für einen alleinlebenden Menschen. Zum Einkommen gehören dabei unter anderem Löhne, Wohngeld, Kindergeld und andere Sozialleistungen.
Der Paritätische forderte, sozialpolitische Leistungen auszuweiten. Die Regierung müsse eine Politik machen, „die Armut bekämpft statt verwaltet“, erklärte Rock. Ständig neue Kürzungen zu diskutieren, schüre hingegen Angst und Unsicherheit und spiele „Populisten und Extremisten in die Hände“.