Klimakrise in Somaliland: Die Dürre schwächt Menschen und Tiere
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Klimakrise in Somaliland: Die Dürre schwächt Menschen und Tiere.
Hargeisa, Bonn (epd).

Der Boden staubt. 50 Männer bearbeiten ihn mit ihren Schaufeln und Spitzhacken. Obwohl es früh am Vormittag ist, drückt die Hitze. Seit fast zwei Jahren hat es hier kaum geregnet. Die Arbeiter aus dem Dorf Farmara in Somaliland kommen jeden Tag, um das Land aufzubereiten, damit es das Wasser besser aufnehmen kann, auf das hier alle sehnlichst hoffen. Graue Wolken ziehen über den Himmel, der Regen aber lässt auf sich warten.

Die Männer heben die Erde in Rechtecken aus und sammeln sie zu kleinen Wällen, damit der Regen nicht einfach über das Land hinwegschwemmt. Das Gras soll hier besser wachsen und die Ziegen, Kühe und Kamele ernähren, die seit Jahrhunderten die Lebensgrundlage in der Region sind.

„Tiere und Menschen sind geschwächt“

Qaasim Mahamed leitet die Männer an. Sie verdienen umgerechnet etwa sechs Euro am Tag, die ihnen die Welthungerhilfe bezahlt. Für die deutsche Hilfsorganisation ist das ein Weg, um die zunehmend ernster werdende Hungerkrise abzufedern. Mit dem Geld können die Familien Nahrungsmittel kaufen - es ersetzt vorübergehend das Einkommen, das sie normalerweise aus dem Verkauf von Vieh erzielen, erklärt Mahamed.

„Die Tiere und die Menschen sind geschwächt“, sagt Mahamed. Schon immer gab es hier am Horn von Afrika in der Vergangenheit Dürrephasen. Doch mit dem Klimawandel wurde der Abstand dazwischen in den vergangenen Jahren kleiner - und Familien und ihre Viehherden haben weniger Zeit, sich zu erholen. Immer mehr Menschen verlieren ihre Tiere, auch Mahamed sind bereits zwölf Ziegen verhungert.

Exporte in die Golfstaaten

Die Wirtschaft von Somaliland, das sich 1991 von Somalia losgesagt hat, aber nur von Israel als Staat anerkannt wird, lebt hauptsächlich von Viehexporten. Ihre Ziegen, Schafe, Kühe und Kamele verkaufen Mahamed und die anderen Hirten auf dem Viehmarkt in Burao, dem größten im Land. Der Großteil der Tiere wird von hier ins 250 Kilometer entfernte Berbera gebracht und dort auf Schiffe verladen und nach Saudi-Arabien, Jemen und in den Oman exportiert.

Wenige Kilometer von den arbeitenden Männern entfernt fließt das Wasser, das hier so kostbar ist. Ein 280 Meter tiefer Brunnen fördert das Wasser mit einer solarbetriebenen Pumpe an die Oberfläche. Installiert von Oxfam, ausgebaut von der Welthungerhilfe mit ihrem Sitz in Bonn - jeweils mit Mitteln der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Regierung Somalilands selbst hat kaum Geld, um die rund sechs Millionen Einwohnerinnen und Einwohner in Dürrezeiten zu unterstützen.

Hirten ziehen nach Äthiopien weiter

Eine Ziegenherde kommt angerannt, ein paar der Tiere sind so durstig, dass sie direkt in den Trog springen. Viele sind ausgemergelt. Mit einem Teil der Kuh- und Kamelherden sind junge Männer ins angrenzende Äthiopien gezogen, um dort vorübergehend ergiebigere Weidegründe für ihre Herden zu finden.

Auch an anderen Orten in der Region hinterlässt die Dürre Spuren. Am Rande des Ortes Ainabo warten Frauen und Kinder in einem Lager für Binnenvertriebene am späten Nachmittag mit gelben Kanistern und bunten Eimern, als ein Lkw, beladen mit einem Wassertank, vorfährt. Auch andere Dörfer und Camps werden so versorgt. Die bedürftigsten Familien haben Karten, mit denen sie sich ausweisen.

Das Wasser reicht nicht

Hinda Daroor organisiert die Verteilung mit. Sie lebt im Camp, seit sie in der Dürre 2017 all ihre Tiere verloren hat. „In den vergangenen Wochen sind so viele neue Menschen hier angekommen, die nichts mehr haben“, sagt Daroor. „Das Wasser reicht nicht.“

Auch Zeyneb Abdi steht an und hofft, dass etwas Wasser für sie übrig bleibt. Sie ist erst vor wenigen Wochen mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern im Camp angekommen und noch nicht registriert. Wie die meisten anderen Menschen, die hier leben, sieht sie keinen Weg zurück. Ihr Mann ist krank, bis vor Kurzem konnte er als Tagelöhner hin und wieder Geld nach Hause bringen.

Sie hofft nun auf Hilfe von Organisationen und die Großzügigkeit von Nachbarn. Doch für die Zukunft wünsche sie sich vor allem eines, sagt Abdi: Dass ihre Kinder zur Schule gehen und einen Beruf lernen können, der ihnen ein Einkommen bringt, unabhängig von den wiederkehrenden Dürren.

Von Birte Mensing (epd)