Das Evangelische Johanneswerk hat eine geplante Änderung der Pflegegrade kritisiert. Es scheine Konsens zu sein, Pflegegrade zu verändern, um Geld im Gesundheitssystem einzusparen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung, Bode de Vries, am Montag in Bielefeld. Wenn Pflegegrade heruntergestuft würden, müsse die Leistung von weniger Personal erbracht werden.
Dabei stehe die Pflege vor der Herausforderung, dass eine steigende Zahl Pflegebedürftiger einer stagnierenden und geringer werdenden Zahl an Pflegenden gegenüberstehe, erklärte De Vries. Es gehe daher darum, Mitarbeitende zu qualifizieren und zu binden. Deshalb investiere das Johanneswerk in eigene Ausbildungseinrichtungen wie eine Pflegeakademie.
Für Pflege Menschen mit Migrationshintergrund nötig
Für die Sicherstellung der Pflege würden zudem Menschen mit Migrationshintergrund benötigt, erklärte De Vries. Dazu brauche es Angebote zum Lernen der Sprache sowie Wohnmöglichkeiten. Das Johanneswerk sei als „Integrationsprofi“ erfolgreich. Allein in den vergangenen drei Jahren seien so 400 Menschen gekommen, von denen die Hälfte in einer Ausbildung sei. Viele dieser Menschen stammten aus Syrien und der Türkei.
Der Umsatz habe sich in den vergangenen leicht gesteigert, erläuterte Burkhard Bensiek von der Geschäftsführung. So sei der Umsatz von 480 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 540 Millionen Euro im Jahr 2025 gestiegen. Für das laufende Jahr werde mit 570 Millionen Euro geplant. Bei der Bilanz für das Jahr 2025 werde von einer „schwarzen Null“ ausgegangen. Besorgt äußerte sich Bensiek über langwierige Verhandlungen mit den Kostenträgern, eine komplizierte bürokratische Investitionsfinanzierung in der Alten - und Eingliederungshilfe sowie über eine schleppende Bearbeitung von Anträgen auf Hilfe zur Pflege durch zuständige Kommunen.
Das Evangelische Johanneswerk gehört mit 7.700 Mitarbeitenden in 70 Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen zu den großen diakonischen Trägern in Deutschland. Der Sitz des 1951 gegründeten Werks ist Bielefeld.