Männer ohne Kinder haben nach Forschungen der Universität Siegen im Alter oftmals eine geringere Lebenszufriedenheit als Väter. Bei Frauen zeige sich dagegen kein vergleichbarer Vorteil der Mutterschaft, wie die Universität Siegen mitteilte. Mütter schnitten beim subjektiven Wohlbefinden nicht besser ab als kinderlose Frauen.
Als mögliche Erklärung nennt der Soziologe Maximilian Tolkamp gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit, Stärke und Fruchtbarkeit. Kinderlosigkeit könne bei Männern als persönliche Schwäche oder Makel wahrgenommen werden. Zudem seien Männer häufig stärker auf familiäre Kontakte angewiesen. Kinderlose Frauen im Alter pflegten eher Freundschaften. Frauen hätten zugleich im Durchschnitt größere Belastungen durch Sorgearbeit, Autonomieverluste und Einbußen bei der Rente zu tragen.
Emotionale Nähe für Kinder erwachsener Eltern wichtig
Für das Wohlbefinden von Eltern sei vor allem die emotionale Nähe zu ihren erwachsenen Kindern ausschlaggebend, heißt es in der Studie. Häufiger Kontakt allein mache nicht zufriedener, da er auch auf Konflikte oder Probleme eines Kindes zurückgehen könne. Ein schlechtes Verhältnis zu nur einem von mehreren Kindern könne zudem belastender sein als Kinderlosigkeit. Gute Beziehungen zu den übrigen Kindern könnten dies nicht ausgleichen.
Forscher: Kinder machen nicht grundsätzlich glücklich oder unglücklich
Die Ergebnisse belegten keinen ursächlichen Zusammenhang, betonte Tolkamp. Sowohl Kinderlosigkeit als auch eine geringere Lebenszufriedenheit könnten etwa mit Arbeitslosigkeit, unsicheren Beschäftigungsverhältnissen oder einem niedrigeren Lebensstandard zusammenhängen. Aus der Studie lasse sich daher nicht ableiten, dass Kinder grundsätzlich glücklich oder unglücklich machten.
Grundlage der Untersuchung waren Angaben von mehr als 10.000 Menschen im Alter von 60 bis 85 Jahren aus dem Deutschen Alterssurvey. Die Befragungen fanden zwischen 1996 und 2021 statt. Unterschieden werden konnte dabei nicht zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Kinderlosigkeit.