Bethel-Chef Haase warnt vor Rückschritten bei Teilhabe
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Hauptsitz der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
Bielefeld (epd).

Der Vorstandsvorsitzende der v. Bodelschwinghschen Stiftungen, Pastor Bartolt Haase, hat die neu entfachte Debatte über Teilhabe von Menschen mit Behinderung als wenig differenziert und stellenweise abwertend kritisiert. „Wir sperren uns nicht gegen Reformen: Wenn Finanzen und Fachkräfte knapper werden, kann man manches besser organisieren, regional bündeln“, sagte der Bethel-Chef auf der Jahrespressekonferenz in Bielefeld. „Aber bei einer Rückabwicklung schon erreichter Teilhabe gehen wir nicht mit.“

Durch mögliche Einschnitte bei der Behindertenhilfe, etwa den Wegfall der Finanzierung von Fahrdiensten zu Werkstätten, würden viele Menschen vom Arbeits- und Gesellschaftsleben ausgeschlossen. „Tatsächlich bliebe ein Großteil dann zu Hause, weil der Nahverkehr alles andere als barrierefrei ist“, sagte Haase. Er appellierte deshalb an Bund, Länder und Kommunen, in der Spardebatte über Eingliederungshilfe sowie die Kinder- und Jugendhilfe nicht zulasten der Qualität und am „Menschen selbst“ zu sparen. Stattdessen forderte er flexiblere Personalvorgaben, weniger Bürokratie sowie eine konsequente Digitalisierung und Vereinheitlichung von Dokumentationspflichten.

Spardebatten setzen alle Arbeitsfelder Bethels unter Druck

„Gesundheit ist ein Privileg - das nicht gesichert ist“, betonte Haase und verwies auf die steigende Zahl von Behinderungen infolge von Krankheiten, Unfällen und psychischen Belastungen. In der bundesweit größten Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bielefeld-Bethel habe sich etwa die Zahl richterlich angeordneter psychiatrischer Unterbringungen seit 2022 nahezu verdoppelt - auf 629 Fälle im Jahr 2025.

Der Bethel-Chef warnte vor den Folgen der am Freitag im Bundestag beschlossenen Krankenkassenreform, die Milliardenkürzungen für Kliniken vorsieht und besonders freie Träger trifft. „Neu für uns ist also, dass alle unsere Arbeitsfelder zugleich unter starken finanziellen Druck geraten. Wir werden uns gut überlegen müssen, was wir uns leisten können und was nicht“, sagte Haase, der im Januar die Nachfolge des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Ulrich Pohl angetreten hatte.

Stiftungen planen Großinvestitionen in Berlin, Bielefeld und Freistatt

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen haben die v. Bodelschwinghschen Stiftungen das Geschäftsjahr 2025 mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Der Jahresüberschuss lag bei rund 13,8 Millionen Euro und damit etwa 2,58 Millionen Euro über dem Vorjahr, wie Vorstandsmitglied Christoph Nolting mitteilte. Die Mittel werden vollständig in die Arbeit Bethels reinvestiert. Die Gesamterträge stiegen um 3,7 Prozent auf 2,05 Milliarden Euro, während die Einnahmen aus Spenden und Nachlässen um rund fünf Millionen auf 70,49 Millionen Euro zurückgingen. Das Jahresspendenprojekt wirbt unter dem Motto „Mitten im Leben“ für den Ausbau inklusiver Wohnangebote im Grünen und betreutem Wohnen in der Stadt.

Die Sachinvestitionen lagen 2025 bei 86,0 Millionen Euro (2024: 105,1 Millionen Euro) und flossen unter anderem in Bauprojekte, einen Hybrid-OP in Berlin sowie in die Ausbildung von Pflege- und medizinischem Nachwuchs, wie es hieß. Für 2026 plant Bethel Investitionen von 105,4 Millionen Euro, darunter in ein neues Behandlungszentrum des Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge in Berlin, die Werkstatt Smyrna in Bielefeld und einen sonderpädagogische Schulcampus im niedersächsischen Freistatt.

Zahl der Mitarbeitenden erstmals über 25.000-Marke

Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel mit Hauptsitz in Bielefeld sind eines der größten diakonischen Unternehmen Europas. An den rund 300 Bethel-Standorten in acht Bundesländern sind insgesamt 25.897 Mitarbeitende (2024: 24.886) tätig. Die Beschäftigten unterstützten 2025 mehr als 270.000 Menschen in Bereichen wie Behindertenhilfe, Pflege, Hospizarbeit und Wohnungslosenhilfe.

Von Katrin Nordwald (epd)