Krankenhausgesellschaft NRW: Sparpläne bedrohen Kinderstationen
s:89:"Auch die Wege zur nächsten Kinderklinik könnten durch die Sparmaßnahmen weiter werden.";
Auch die Wege zur nächsten Kinderklinik könnten durch die Sparmaßnahmen weiter werden.
Düsseldorf (epd).

Die Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW) befürchtet Schließungen von Geburtshilfen und Kinderstationen infolge der Gesundheitsreform. „Die Sparpläne bedeuten, dass die Kliniken acht Prozent ihrer bisherigen Einnahmen verlieren“, sagte der Präsident der KGNW, Ingo Morell, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. „Dabei schreiben schon jetzt 75 Prozent der Kliniken bundesweit rote Zahlen.“ Die Kliniken müssten deshalb genau schauen, was sich rechnet. Als Erstes seien beispielsweise Geburtshilfen und pädiatrische Abteilungen in Gefahr, „wenn diese defizitär sind“, warnte er.

Es sei schwer, diese Bereiche wirtschaftlich zu führen, weil das Fallpauschalensystem auf Menge ausgerichtet sei, erklärte Morell. Viele Häuser hätten für dieses System zu wenig Geburten. „Bislang haben viele Kliniken deshalb die Geburtshilfe quer subventioniert, das geht nun nicht mehr, auch wenn die Region den Kreißsaal dringend braucht“, erläuterte er.

„System honoriert immer noch Menge“

Auch die Wege zur nächsten Kinderklinik könnten durch die Sparmaßnahmen weiter werden. „Die meisten Kinderkliniken erleben starke saisonale Schwankungen, im Herbst und Winter sind sie voll mit kleinen Patienten, die zum Beispiel an RSV- und anderen Atemwegserkrankungen leiden“, sagte der Präsident der nordrhein-westfälischen Krankenhausgesellschaft. Im Sommer seien sie dagegen deutlich weniger ausgelastet, die Vorhaltekosten aber blieben. „Daher besteht nun die Gefahr, dass pädiatrische Abteilungen schließen“, betonte Morell.

Die Reform der Krankenversicherung sieht unter anderem vor, dass Tariferhöhungen in Krankenhäusern nicht mehr vollständig refinanziert würden. Die Krankenhausgesellschaft NRW erwartet dadurch eine hohe Zahl an Insolvenzen. Insbesondere Kliniken auf dem Land und im Speckgürtel der Städte seien bedroht. „Sie können in der Regel die Mengen nicht ausweiten, um Erlöse zu steigern“, kritisierte Morell. „Zugleich aber wird der ruinöse Wettbewerb in den Ballungsgebieten verstärkt. Denn unser System honoriert immer noch Menge.“ Er appellierte an die Länder, „dass sie die dramatische Lage vieler Kliniken sehen und notwendige Änderungen an der Reform im Bundesrat durchsetzen“.