Zwischen Apokalypse und Utopie
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Arp Museum zeigt "Zu den Sternen! Weltraum und Weltflucht seit der Moderne"
Arp Museum zeigt Ausstellung über den Weltraum in der Kunst
Remagen (epd).

Ganz in sich versunken schaut die junge Frau durchs Fenster auf den hellen Vollmond - den Blick voller Sehnsucht. Vor ihr liegt auf der Fensterbank eine Ausgabe von Goethes „Werther“. Seit der Spätromantiker Johann Peter Hasenclever diese Szene 1846 auf die Leinwand malte, hat sich die Welt grundlegend verändert. Aus der Sehnsucht ist mittlerweile Realität geworden: Menschen fliegen zum Mond.

Tatsächlich ist der Kosmos dennoch nach wie vor ein Ort, der als Projektionsfläche für Sehnsüchte und Träume dient. Weltraumtourismus und Fantasien von der Besiedelung anderer Planeten treffen aber heute auf die Sorge um den verletzlichen Zustand der Erde. Die Ausstellung „Zu den Sternen! Weltraum und Weltflucht seit der Moderne“ zeigt, wie sich diese Ängste und Hoffnungen in der Kunst spiegeln.

Zu sehen sind bis zum 10. Januar 2027 insgesamt 89 Arbeiten aus Malerei, Skulptur, Fotografie sowie Video- und Rauminstallationen von der frühen Moderne bis in die Gegenwart. Darunter sind Werke von Künstlern wie Carl Spitzweg, Joan Miró, Max Ernst, Thomas Ruff oder Dominique Gonzalez-Foerster. Einige aktuelle Arbeiten wurden eigens für die Ausstellung in Rolandseck geschaffen.

Die Sonne als Feuerball

Die Ambivalenz des Themas verkörpert die glühende Sonne der Düsseldorfer Künstlerin Katharina Sieverding, die den Ausgangspunkt der Ausstellung bildet. Die Videoarbeit „Die Sonne um Mitternacht schauen“ (2011-14), die auf 200.000 NASA-Aufnahmen basiert, zeigt die eruptiven Aktivitäten auf dem glühenden Feuerball. Die Sonne, der das Leben auf der Erde zu verdanken ist, zeigt hier zugleich ihre zerstörerische Kraft und weckt Assoziationen an die Erderwärmung.

Gleich darauf zeigt Klaus Staecks Plakatserie „Mietsache“ (1983) die Erde als Weltkugel, die im wahrsten Sinne des Wortes wie eine Zitrone ausgequetscht wird: Die Sorge um unseren Planeten als eine Grundkonstante der Moderne. Die Warnung, einmal einen Schritt zurückzutreten und den Sinn des Strebens in den Weltraum zu überdenken, wird etwa bei Sylvie Fleury deutlich, deren silberfarbenes Stoff-Objekt „First Spaceship on Venus“ (1999) erschlafft in der Ecke liegt.

Faszination und Technikkritik

„Wozu das alles?“, scheinen die zwei Astronauten in der Videoarbeit von John Wood zu fragen. Sie stehen auf dem Mond und langweilen sich offensichtlich. Zwischen Faszination und Technikkritik bewegen sich Thomas Ruffs großformatige Fotografien „3D-ma.r.s.03“ (2012), die ebenfalls auf fotografischem Material der NASA basieren. Mit 3-D-Brille betrachtet wird ein Besuch auf der Oberfläche des Mars möglich. Doch es bleibt ein fiktiver und dazu auch recht unwirtlicher Ort.

Zugleich sehen Künstlerinnen und Künstler das All aber auch als Raum der Möglichkeiten und Fantasien. Der Expressionist Wenzel Hablik etwa malt 1913 einen großformatigen „Sternhimmel“ - einen utopischen Raum voller Licht. „Gerade in jüngster Zeit fällt eine ganze Reihe von Kunstwerken auf, die der drohenden Apokalypse eine versöhnlichere Haltung entgegenstellen“, beobachtet Museumsdirektorin Julia Wallner, die die Ausstellung kuratiert hat.

Funksignale ins All

Dominique Gonzales-Foerster, die an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrt, gestaltete eigens für die Ausstellung einen Raum als Mikroplaneten. Vor Aufnahmen aus der Umgebung des Museums platzierte sie Charaktere aus Film, Literatur und Zeitgeschichte, die sie in einen zeitübergreifenden Dialog bringt. Mona Schulzek schuf eine voll funktionsfähige, skulpturale Funkstation, die Signale ins All sendet. Für die friedliche Kontaktaufnahme und die Möglichkeit eines kosmischen Austauschs wird ein abstraktes Alphabet jenseits bekannter Sprachsysteme verwendet.

Zu den 16 zeitgenössischen Positionen der Ausstellung gehört auch die Videoarbeit der in Berlin lebenden israelische Künstlerin Yael Bartana. „Light to the Nations“ entwickelte Bartana 2024 für den Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig. Ein Raumschiff soll die Menschen auf der in Katastrophen versinkenden Erde retten und in ferne Galaxien bringen. Zu pulsierenden Rhythmen tanzen Menschen in weißen Gewändern, die an griechische Götter erinnern. Es sind Rituale der Freude auf die bevorstehende Rettung. Ab dem 10. September wird eine daran anknüpfende neue Arbeit Bartanas erstmals in der Ausstellung gezeigt werden.

Von Claudia Rometsch (epd)