Magische Kunstmaschinen: Installationen von Rebecca Horn in Wuppertal
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"Rebecca Horn. Emotion in Motion" im Skulpturenpark Waldfrieden
Wuppertal (epd).

Die Namen der Installationen sind oft so rätselhaft wie ihre Aktionen: Dazu gehört „die preußische Brautmaschine“, wo ein Apparat in regelmäßigen Abständen Pinsel in eine Schale mit blauer Farbe tauchen lässt, die an der Wand versprüht wird und an darunter montierten Damenschuhen entlangläuft. Es ist eine von 13 Arbeiten der deutschen Bildhauerin und Aktionskünstlerin Rebecca Horn (1944-2024), die vom 14. März bis zum 30. August im Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden zu sehen sind.

„Emotion in Motion“ ist die Werkschau magischer Kunstmaschinen betitelt, bei denen auch Geigen, Stangen und Ferngläser auf geheimnisvolle Weise in Bewegung gesetzt werden. Der vom britischen Bildhauer Tony Cragg gegründete Skulpturenpark eröffnet damit seine diesjährige Ausstellungssaison. Er sei ein großer Bewunderer seiner vor zwei Jahren im Alter von 80 Jahren verstorbenen Kollegin, erzählt Cragg. Sie habe mit ihren Maschinen ein eigensinniges wie unvergleichliches Werk voller Poesie geschaffen.

Erste Künstlerin mit Retrospektive im New Yorker Guggenheim Museum

Horn galt international als eine der profiliertesten deutschen Künstlerinnen der Gegenwart; seit Jahrzehnten war und ist ihr Werk weltweit zu sehen. So erhielt sie als erste Künstlerin 1993 im New Yorker Guggenheim Museum eine Retrospektive und bekam im Lauf ihres Schaffens zahlreiche internationale Preise. Im Jahr 2010 wurde sie für ihr Lebenswerk mit dem japanischen Praemium Imperiale geehrt, einem der renommiertesten Kunstpreise der Welt.

Ihr Weg zum Erfolg in der internationalen Kunstszene war dabei zu Beginn von einem persönlichen Schicksalsschlag überschattet. Während ihres Studiums in den 1960er Jahren an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg arbeitete sie an Skulpturen aus Glasfaser und Polyesterharz. Dabei erlitt sie durch bei der Verarbeitung entstandene giftige Dämpfe eine schwere Lungenvergiftung, die einen rund einjährigen Krankenhausaufenthalt zur Folge hatte.

Motoren spielen Geigensaiten

Aus dieser Erfahrung der Isolation heraus hat Horn nach Einschätzung vieler Kunstkritiker zu ihrem Stil gefunden, der die Fragilität und Verletzlichkeit menschlicher Existenz zum zentralen Bestandteil ihres Werks gemacht habe. Davon erzählt auch der „Turm der Namenlosen“: Die größte Installation der Ausstellung verarbeitet Zeitgeschichte; ein aus Obstleitern konstruierter Turm, an dem Geigen hängen, deren Saiten von Motoren mechanisch gespielt werden. Der traurige Klang dieses 1994 entstandenen Werks ist den Flüchtlingen und Emigranten aus dem Jugoslawien-Krieg gewidmet.

Funken sprühen unterdessen beim „Kuss des Rhinozeros“ (1989), wo sich zwei von einem Motor angetriebene, halbkreisförmige Metallstäbe zu einem geschlossenen Kreis vereinigen. Wenn die an das Horn des Rhinozeros erinnernden Fragmente an den Enden einander flüchtig berühren, kommt es zu einer elektrischen Entladung, die wie ein elektrisierender Kuss wirkt.

Neben ihrer bildnerischen Arbeit war Rebecca Horn auch als Filmemacherin aktiv. Fünf ihrer Werke, darunter der 1990 entstandene Spielfilm „Buster's Bedroom“ mit Donald Sutherland und Geraldine Chaplin, sind im März und April im benachbarten, zum Skulpturenpark gehörenden Café Podest zu sehen.

Von Frank Bretschneider (epd)