Mäzen und Sammler: Osthaus und seine Liebe zur orientalischen Kunst
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"Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste" im Museum Folkwang
Ausstellung über die "Islamische Sammlung" des Folkwang-Gründers
Essen (epd).

Als Karl Ernst Osthaus im Frühjahr 1898 nach Algerien und Tunesien aufbricht, soll es eigentlich eine naturkundliche Exkursion werden. Doch sein Interesse an der Erforschung von Schnecken weicht schnell der Begeisterung für die orientalisch-islamische Kultur, wie Kuratorin Nadine Engel vom Museum Folkwang in Essen erläutert. Osthaus (1874-1921) kauft erste kunstgewerbliche Keramiken und Textilien an, teils von Straßenhändlern. Damit ist der Grundstock für die „islamische Abteilung“ des späteren ersten Folkwang-Museums in Hagen gelegt, der das Museum Folkwang in Essen bis zum 21. Februar eine umfangreiche Ausstellung widmet.

Die Schau „Nach Damaskus... Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste“ folgt chronologisch der Entwicklung dieser Sammlung. Als Osthaus im Herbst 1898 zum zweiten Mal in die islamisch geprägte Welt reist - diesmal durch das Osmanische Reich -, kauft er bedeutende, kunstvolle Einzelstücke an. Ab diesem Zeitpunkt habe er sich explizit als Kunstsammler verstanden, sagt Engel. Er erwirbt unter anderem eine ins 17. Jahrhundert datierte kostbar illuminierte beziehungsweise verzierte Abschrift des Shahnama („Buch der Könige“), die in der Ausstellung als Leihgabe der Staatsbibliothek zu Berlin zu sehen ist.

Teil des „Damaskuszimmers“ als Leihgabe aus Dresden

Insgesamt zeigt die Schau rund 340 Objekte, darunter kunstvoll bemalte Fliesen, kostbare Wandbehänge, Kleidungsstücke und Teppiche, Gefäße und Keramiken aus dem vierten bis 19. Jahrhundert. Sie stammen aus Regionen, die heute zum Iran, zu Syrien, zur Türkei, zu Ägypten und zu Spanien gehören. Der umfangreichen Sammlung ibero-islamischer Fliesen ist ein ganzer Raum gewidmet, ein anderer verweist auf die Beteiligung des Folkwang-Museums mit mehr als 150 Objekten an der Münchener Ausstellung „Meisterwerke muhammadanischer Kunst“ im Jahr 1910.

Ein Highlight der Schau ist ein Teilstück des sogenannten „Damaskuszimmers“. Die kunstvoll verzierte Wand- und Deckenvertäfelung stammte aus einem Wohnhaus in Damaskus und wurde in Hagen nie aufgebaut, sondern eingelagert. Sie gelangte später in den Besitz des Museums für Völkerkunde in Dresden und ist seit 2022 im Japanischen Palais zu sehen. Ein fast fünf Meter langes Stück des Gebälks wird als Leihgabe in Essen präsentiert.

Arbeiten von Thorn Prikker und Lasker-Schüler

Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten von Künstlern, mit denen Osthaus damals in Hagen zusammenarbeitete. Sie sollen die Verflechtungen der islamischen Künste und der europäischen Moderne zeigen. So greifen ein Stoff von Peter Behrens und Mosaikentwürfe von Johan Thorn Prikker die Ornamentik islamischer Textilien oder Fliesen auf. Das Gemälde „Stillleben mit Affodillen“ von Henri Matisse, der selbst in den Orient reiste, zeigt unter anderem einen Krug mit Dromedaren.

Von Else Lasker-Schüler sind Zeichnungen zu ihrer Figur „Prinz Jussuf von Theben“ zu sehen, die sie 1916 im Hagener Museum ausstellte. Einen aktuellen weiblichen Blick bringt die zeitgenössische saudisch-palästinensische Künstlerin Dana Awartani mit einer großen textilen Installation aus gelben, orangen und roten Seidenstoffbahnen in die Ausstellung ein.

Ausgangspunkt der Ausstellung war die mehrere Jahre dauernde umfassende Erforschung und Restaurierung der islamischen Sammlung am Museum Folkwang, wie Museumsdirektor Peter Gorschlüter erläuterte. Alle Werke seien mithilfe externer Expertinnen und Experten wissenschaftlich bearbeitet und für die Schau erschlossen worden. Die Ausstellung solle nicht nur neue Einblicke in die Objekte selbst, sondern auch in die Geschichte ihrer Sammlung, Erforschung und Präsentation geben.

„Critical Friends“ an Ausstellung und Programm beteiligt

Um Publikumsperspektiven einzubeziehen, wurde für die Ausstellung zudem ein „Community-Beirat“ ins Leben gerufen. Die 17 Mitglieder der „Critical Friends“ im Alter von zehn bis 70 Jahren mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund hätten die Ausstellungsvorbereitung aktiv begleitet und ihre persönlichen Erfahrungen und ihr Wissen zu den Objekten eingebracht, hieß es. Auch am Veranstaltungsprogramm seien sie beteiligt.

Das Begleitprogramm umfasst neben Führungen zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen auch Vorträge, Konzerte und Filmvorführungen sowie eigene Angebote für Kinder und Jugendliche. Im zentralen Begegnungsraum in der Ausstellung können Besucherinnen und Besucher unter anderem selbst Teppiche knüpfen, Spiele spielen und auf einem Bildschirm Statements der „Critical Friends“ ansehen.

Von Esther Soth (epd)