Völklinger Hütte: Neue Erkenntnisse zur NS-Rüstungsindustrie
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Die Völklinger Hütte ist heute Industriedenkmal und Ausstellungsort.
Völklingen (epd).

Die im Januar in der Völklinger Hütte startende Ausstellung „Das stählerne Herz“ über die Geschichte der Hütte liefert neue Erkenntnisse über die Beziehungen der Unternehmerfamilie Röchling und des früheren Eisenwerks zur NS-Rüstungsindustrie. Archivsichtungen, Internetrecherchen sowie Vorort-Erkundungen hätten nach und nach immer weitere Puzzleteile ans Licht gebracht, teilte die Hütte mit. Bisher sei der Bezug zur „V2“-Rakete, eine Kurzstreckenrakete mit großräumiger Zerstörungsfläche und eine der sogenannten Vergeltungswaffen der Nationalsozialisten, nicht bekannt gewesen.

So waren der Unternehmer und Kriegsverbrecher Hermann Röchling, die Röchling-Werke und ihre Ingenieure den Ausstellungsmachern zufolge neben Stahlhelmen, Granaten und Geschützrohren auch an allen sogenannten Vergeltungswaffen beteiligt. Für die „V3“ hätten die Röchling-Werke etwa 20.000 Granaten produziert, die nie abgeschossen wurden, und für die „V2“ habe Röchling mindestens einen Ingenieur der Völklinger Hütte entsandt. Eine unterirdische Anlage zum Kalkabbau der Röchling-Werke im französischen Wittring sei etwa zur Treibstoff-Produktion der „V2“ genutzt worden. Hierzu habe es auch eines der größten auf einem Fluss angesiedelten Zwangsarbeiterlager des sogenannten Dritten Reichs gegeben, hieß es.

Raketennachbau und Fotoserie

Der Generaldirektor der Völklinger Hütte, Ralf Beil, erklärte, dass sich das Weltkulturerbe mit der Ausstellung auch der historischen Verantwortung stelle. In der Schau wird es den Angaben zufolge einen Nachbau der „V2“ im Maßstab 1 zu 1,5 geben und der niederländische Künstler Marcel van Eeden zeigt eine 42-teilige Foto-Serie. Seine Mutter habe den Einschlag einer „V2“ am 1. Januar 1945 in nächster Nähe erlebt, hieß es. Schirmherrin der vom 24. Januar 2027 bis zum 16. Januar 2028 laufenden Ausstellung ist die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD). Die Völklinger Hütte wurde vor über 150 Jahren als „Puddel- und Walzwerk“ gegründet, seit 1994 ist das frühere Stahlwerk Weltkulturerbe.