Die europäische Wander-Biennale Manifesta 16 macht zwölf Kirchen im Ruhrgebiet zu Veranstaltungsorten für Kultur, Kreativität, Dialog und Begegnung. Das Programm mit dem Titel „This is not a church“ erforsche, wie Kultur gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, öffentliche Räume nutzbar machen und Nähe zwischen Menschen fördern kann, erklärten die Veranstalter in Duisburg. Die Manifesta 16 Ruhr findet bis 4. Oktober in zwölf umgenutzten Kirchengebäuden in Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Duisburg statt.
Ziel der Manifesta sei es, Antworten auf die sich verändernden sozialen, politischen, ökologischen und kulturellen Bedingungen in Europa zu finden, hieß es. Bei dem Kulturfestival im Ruhrgebiet blicken die Organisatoren etwa auf die Folgen des Strukturwandels weg von der Kohle- und Stahlindustrie. Dadurch sei es zu Erosionen in Stadtvierteln und Gesellschaft gekommen, was auch den sozialen Zusammenhalt beeinflusst habe. Hier wolle das Programm ansetzen.
Kirchenbänke umbauen und Arbeiterlieder singen
Neben Kunst, Lesungen, Führungen, Bildungsformaten und Begegnungsaktionen sind auch Workshops zum Mitmachen geplant. Eines der zentralen Themen der Biennale sei es, nicht-kommerzielle öffentliche Räume zu schaffen, in denen Menschen zusammenkommen, Zeit verbringen und den Alltag gestalten können, hieß es.
Besucherinnen und Besucher können etwa in der Kirche St. Josef in Gelsenkirchen Basketball spielen, bei „Open Walks“ die Ausstellungsorte und ihre Umgebung kennenlernen, beim Workshop „Go(o)d Kitchen“ in Oberhausen gemeinsam Bauen und Kochen, beim Projekt „Sing our Songs!“ Arbeiterlieder singen, an Schreibworkshops teilnehmen oder mit dem spanischen Designer Curro Claret aus alten Kirchenbänken Neues bauen.
Veranstaltungen sind kostenfrei
Da allein in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich mehr als 20.000 Kirchen in Deutschland leerstehen oder entwidmet würden, wolle das Festival die Zukunft dieser Gebäude in den Fokus rücken, hieß es. Die Manifesta 16 Ruhr will nach eigenen Angaben auch Menschen erreichen, die Kulturangebote sonst selten wahrnehmen. Deshalb ist das Festival kostenfrei.
Die Wander-Biennale mit zeitgenössischer Kunst und Kultur ist alle zwei Jahre in einer anderen europäischen Stadt zu Gast, zuletzt 2024 in Barcelona. Die Manifesta feiert dieses Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Sie wurde 1996 in Rotterdam ins Leben gerufen. Der Regionalverband Ruhr (RVR) ist Partner der Manifesta 16.