Die vor 100 Jahren geborene Autorin Ingeborg Bachmann ist nach Einschätzung des Biografen Nicola Bardola bis heute aktuell. Beispielsweise durch ihr Hinterfragen der Geschlechterrollen sei sie ihrer Zeit voraus gewesen, sagte der Autor des Buches „Ingeborg Bachmanns München“ dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Was sie da geleistet hat, sowohl sprachlich als auch in ihrer Haltung, bewegt heute immer noch.“ Auch ihr im Jahr 1953 geschriebenes Anti-Kriegsgedicht „Alle Tage“ habe „jetzt eine bedrückende Aktualität“.
Bachmanns „unbedingte Hingabe an die Literatur“ sowie ihre „radikale Art, an die Grenzen des Sagbaren zu gehen“, mache die Faszination der Autorin aus, sagte Bardola. Ihr Lebensinhalt sei es gewesen, das Erleben, das Denken und die Gefühle miteinander zu verbinden und diesem Worte zu geben.
Ingeborg Bachmann wurde am 25. Juni 1926 im österreichischen Klagenfurt geboren und gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts. In den 50er Jahren veröffentlichte sie Lyrik und Hörspiele, später auch Romane und Essays. Zu den bekanntesten Werken gehören der Lyrik-Band „Die gestundete Zeit“ sowie der Roman „Malina“. Sie lebte als freie Schriftstellerin unter anderem in Zürich, München, London, Paris und Rom, wo sie 1973 starb.
Unerforschte und wenig bekannte Quellen
Für sein Buch habe er sich in verschiedenen Archiven mit vielen noch unerforschten oder wenig bekannten Quellen Bachmanns befasst, berichtete Bardola. So sei oft vernachlässigt worden, dass die Autorin auch „einen großartigen Humor“ gehabt habe. Es habe zwar Traumata bei Bachmann gegeben. Sie sollten jedoch nicht ihre starke Neigung zur Heiterkeit vollkommen überschatten.
Die Beschäftigung mit der Autorin werde auch nach ihrem 100. Geburtstag weitergehen, ist Bardola überzeugt. Die aktuellen, in diesem Jahr veröffentlichten Biografien würden nicht die letzten sein. Bachmann sei zu facettenreich als Autorin, als Mythos, als Ikone und als Mensch. Zudem gebe es immer noch viel Textmaterial in Archiven, das noch nicht gesichtet worden sei.