Der Künstler Christopher Kulendran Thomas zeigt seine ortsspezifisch neu konzipierte, immersive Videoinstallation „Peace Core (surround)“ im Kunstmuseum Bonn. Sie basiert auf Ausschnitten von Sendungen aus dem US-Fernsehen, die unmittelbar vor dem Terroranschlag vom 11. September 2001 ausgestrahlt wurden, wie das Museum mitteilte. Die Installation ist bis zum 13. September im „Human AI Art Space“, einem Pavillon auf dem Vorplatz des Kunstmuseums, zu sehen.
Die Auszeichnung würdigt bildende Künstlerinnen und Künstler, die sich mit Technologie beschäftigen und die Auswirkungen von KI auf die Gesellschaft sichtbar machen. Kulendran Thomas, der tamilische Wurzeln hat, schlage mit seiner Arbeit einen Bogen von den Ereignissen am 11. September 2001 in die Gegenwart, sagte die Intendantin des Kunstmuseums Bonn, Claudia Emmert. Die immersive Installation besteht aus kreisförmig angeordneten Bildschirmen. Zu sehen sind darauf Ausschnitte von Werbesendungen, Talkshows oder Nachrichten, die in den Minuten vor dem Anschlag auf das New Yorker World Trade Center ausgestrahlt wurden. Das mit Sound untermalte Material wird mithilfe eines KI-Algorithmus endlos neu gemischt.
Auswirkungen des 11. September auf tamilische Unabhängigkeitsbewegung
Die Installation zeige eine „Illusion von Unschuld“ vor dem Terroranschlag, der die Welt veränderte, betonte Emmert. Die Folgen wurden auch in Tamil Eelam, der Heimat von Kulendran Thomas‘ Familie spürbar. Dort wurde die tamilische Unabhängigkeitsbewegung von der sri-lankischen Regierung unter dem Vorwand niedergeschlagen, gegen den Terrorismus zu kämpfen. Kulendran Thomas verbrachte seine prägenden Jahre in London, nachdem seine Familie Sri Lanka wegen der ethnischen Unterdrückung der Tamilen verlassen hatte.
Zugleich verweise Kulendran Thomas‘ Installation darauf, wie sich die Wahrnehmung durch KI verändert habe, erklärte Kuratorin Lucy Degens. Die Videos werden durch einen Algorithmus fortlaufend neu gemischt und bearbeitet, der den Stil von TikTok-Corecore-Videos nachahmt. Dabei werden scheinbar zufällige Video-Sequenzen schnell hintereinander geschnitten und mit emotionaler Musik unterlegt, um ein bestimmtes Gefühl zu transportieren.
Künstler geht von Wahrnehmungswandel durch KI aus
Kulendran Thomas arbeitet seit rund zehn Jahren mit künstlicher Intelligenz. „Ich denke, dass die Allgegenwart von KI-Technologien einen Wahrnehmungswandel mit sich bringt, der einige der Grundfesten unserer Zivilisation verändern wird“, erklärte der Künstler. So werde sich etwa die westliche Vorstellung vom „Individuum als Grundeinheit der Gesellschaft“ wandeln.
Seine Werke wurden in den vergangenen Jahren in internationalen Museen gezeigt, darunter im New Yorker Museum of Modern Art, im Institute of Contemporary Arts in London, in der Kunsthalle Zürich oder im KW Institute for Contemporary Art in Berlin. Für den Human AI Art Award hatte es rund 30 Nominierungen gegeben. Der vom Kunstmuseum Bonn und der Deutschen Telekom ins Leben gerufene Kunst-Preis wird in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben.