Vor dem Hintergrund der Neuaufstellung der ARD-Radiowelle Cosmo haben über 500 migrantische Organisationen eine Zukunftsperspektive für das interkulturelle und mehrsprachige Angebot gefordert. Cosmo müsse als ARD-Kooperationsprogramm mit bundesweiter Reichweite weiterentwickelt werden, schrieben die Unterzeichner in einem offenen Brief an alle Intendanten der ARD, der in Berlin von den „Neuen Deutschen Medienmachern“ veröffentlicht wurde. Die Allianz sprach sich entschieden für einen „Stopp der Streichpläne“ aus.
Hintergrund sind Pläne des Westdeutschen Rundfunks (WDR), wonach Cosmo zum 1. April 2027 in „1Live Street“ umbenannt und „zu einem jungen Programm mit Fokus auf die weltweit größte und verbindende Jugendkultur Hip-Hop weiterentwickelt werden“ solle. Hauptzielgruppe sollen die 20- bis 29-Jährigen sein. Gegen die Neuaufstellung regte sich bundesweit scharfe Kritik.
„Kein Nischenprogramm“
In dem offenen Brief forderten die Unterzeichner die ARD auf, darzulegen, „welche Rolle die plurale Einwanderungsgesellschaft in ihrer Gesamtstrategie hat.“ Weiter heißt es: „Mehr als ein Viertel der Menschen in Deutschland hat eine Migrationsgeschichte. Für diese Communitys ist Cosmo kein Nischenprogramm.“ Falle Cosmo weg, „schrumpft genau der Raum, den wir in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und eines erstarkenden Nationalismus dringender brauchen denn je: der Raum für unterschiedliche Perspektiven und ein Miteinander jenseits von Abschottung und Vereinheitlichung.“
Den Angaben zufolge vereint der Brief große bundesweite migrantische Dachverbände wie zum Beispiel die Bundeskonferenz der Migrantenorganisation, den Dachverband der Migrantenorganisation in Ostdeutschland, den Bundesverband russischsprachiger Eltern und die Türkische Gemeinde in Deutschland. Zudem unterstützen die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union, das Grimme-Institut und der Deutsche Musikrat den Appell.
Aus Protest gegen die Neuausrichtung des Senders hat das Elektronik-Duo „Mouse on Mars“ seine im Jahr 2000 gewonnene „1LIVE Krone“ an den WDR zurückgegeben. „In Zeiten eines immer reaktionäreren und völkischeren Denkens in Deutschland ist die Abwicklung von Cosmo ein verheerender Rückschritt“, begründeten die Musiker Jan St. Werner und Andi Toma den Schritt. Sie warfen dem WDR vor, dass der Sender „nicht für Zukunft und Weltoffenheit einsteht“.