WM: EKD-Sportbeauftragter kritisiert "unsägliche" Kommerzialisierung
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Präses Thorsten Latzel
Düsseldorf (epd).

Die Fußball-Weltmeisterschaft sollte nach Ansicht des Sportbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thorsten Latzel, nicht überhöht werden. „Wir sollten uns dafür einsetzen, dass Fußball wieder Fußball sein kann und nicht politisch oder ökonomisch missbraucht wird“, sagte Latzel dem Evangelischen Pressedienst (epd) zum WM-Auftakt in Mexiko, Kanada und den USA. Er befürchte, dass „die kommerzielle Ausnutzung und die politische Inszenierung die Schönheit des Sports korrumpieren“.

Das Turnier werde vom Weltfußballverband FIFA „in unsäglicher Weise kommerzialisiert“ und die Trump-Regierung verletze Werte wie Fairness und Solidarität mit ihrer antidemokratischen Politik, kritisierte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Ticket-Preise grenzten viele Fans aus, zudem sei die Ausweitung des Turniers auf drei Länder und mehr Mannschaften ökologisch problematisch und belaste die Spieler. „Die US-Regierung zerstört gezielt demokratische Rechte und sät Hass und Spaltung statt Versöhnung“, kritisierte Latzel.

Werte des Fußballs mitnehmen

Die WM könne „eine wunderschöne Gemeinschaftserfahrung im Sommer sein“, sagte der Sportbeauftragte. „Man darf sie aber auch nicht überhöhen.“ In Deutschland und weltweit gebe es viele politische und soziale Spannungen, Kriege, Umbrüche in der Wirtschaft, Umweltprobleme und Demokratien unter Druck. „Eine WM löst das nicht einfach. Aber wir können vom Fußball viel mitnehmen.“

Millionen Menschen könnten bei den Spielen gemeinsam fiebern, hoffen, feiern und trauern, sagte Latzel dem epd. Er selbst liebe „ein faires, respektvolles Miteinander, den sportlichen Wettkampf, die Leichtigkeit des Spiels - etwa wenn man nach einem Public Viewing mit den Fans aus anderen Ländern zusammen feiert“. Bei dem Turnier gehe es auch um Fairness, Respekt, Verantwortung und Solidarität über Grenzen hinweg. Das seien wichtige ethische Impulse, die Sport und Glaube gemeinsam in einer polarisierten Gesellschaft vermitteln könnten.

epd-Gespräch: Nora Frerichmann