Wehrpflicht: Schüler diskutieren lebhaft mit westfälischer Präses
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Präses Adelheid Ruck-Schröder diskutierte mit Schülern über die Wehrpflicht.
Meinerzhagen (epd).

„Niemand wird in Deutschland gezwungen, zur Bundeswehr zu gehen“, sagt Leander. „Aber Fakt ist doch auch, dass sich alle Staaten auf Krieg vorbereiten - nur wir sollen das dann nicht tun?“ Mitschülerin Nina findet die Verteidigung des eigenen Landes und der Demokratie ebenfalls wichtig, betont aber: „Die Würde des Menschen erachte ich als noch höher.“ Die beiden Jugendlichen diskutieren im Evangelischen Gymnasium Meinerzhagen mit weiteren 16- bis 18-Jährigen - und mit der westfälischen Präses Adelheid Ruck-Schröder.

Die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen moderiert die lebhafte Diskussion mit ruhigem Engagement und hakt gelegentlich nach. Sie hat ausdrücklich um einen offenen Gedankenaustausch mit den jungen Leuten zum Reizthema Wehrdienst gebeten und nimmt sich an diesem Tag in der Schule der westfälischen Kirche in der 20.000-Einwohner-Stadt im westlichen Sauerland viel Zeit zum Zuhören.

Auch zivile Friedensbemühungen wichtig

Angesichts der aktuellen Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten wird seit Längerem kontrovers über den Wehrdienst debattiert. Seit Januar gilt das neue Wehrdienstgesetz: Alle 18-jährigen Männer und Frauen erhalten einen Fragebogen zu ihrer Eignung und Bereitschaft, in der Bundeswehr zu dienen. Für Männer ist die Beantwortung Pflicht, für Frauen freiwillig. Für alle Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 ist zudem die Musterung verpflichtend. Wie denken die in Kürze direkt betroffenen jungen Leute darüber?

„Neben der Bedeutung der Bundeswehr kann man auch die vielen zivilen Friedensbemühungen gar nicht hoch genug einschätzen“, meint Luka. „Die Bundeswehr muss ja nicht nur für den Krieg eingesetzt werden.“ Auch bei Naturkatastrophen und anderen Krisen könne sie helfen, sagt er. „Unser Land bleibt nur eine Demokratie, wenn wir es auch verteidigen können.“

Beitrag zur Demokratie leisten

Jan nennt die Demokratie ein echtes Privileg für alle. „Wenn wir uns nicht dafür einsetzen, gerät die Demokratie in Gefahr“, warnt er. „Also müssen wir auch unseren Beitrag dafür leisten.“ Nina hebt die Menschenwürde hervor, die im Grundgesetz an erster Stelle stehe. Daher dürfe es keinen Zwang zum Wehrdienst geben, betont sie und fügt hinzu: „Natürlich bin ich ohnehin absolut gegen Krieg.“

Schülerin Sophie kritisiert die Ausbildungs-Werbeaktionen der Bundeswehr: „Das Ganze wird meines Erachtens viel zu positiv verkauft; man fühlt sich ja regelrecht manipuliert.“ Evelyn argumentiert gegen eine mögliche Wehrpflicht für junge Leute: „Unsere Freiheit und Selbstbestimmung darf uns auf keinen Fall genommen werden“, unterstreicht sie. „Man kann nicht von uns erwarten, dass wir für dieses Land kämpfen und sterben sollen.“

Verpflichtung für die Zukunft

Ruck-Schröder zeigt sich „tief beeindruckt“ davon, wie ernsthaft und reflektiert die Schülerinnen und Schüler diskutieren - meinungsfest und zugleich tolerant. Die Angst vor einem Dienst an der Waffe, das Unbehagen vor einer immer komplexer werdenden Krisenlage in der Welt - zugleich aber auch ein starkes Gefühl für gesellschaftliche Verantwortung und ein daraus abzuleitendes Handeln: All das sei offenbar tief in der DNA dieser nachwachsenden Generation verwurzelt, stellt die 60-jährige Theologin fest.

Die Stimme der jungen Menschen müsse grundsätzlich mehr Gewicht bekommen und mehr gehört werden, fordert Ruck-Schröder. Das sei eine wichtige Verpflichtung für die Zukunft. Die leitende Theologin der viertgrößten deutschen Landeskirche wird von den Gymnasiasten mit herzlichem Applaus verabschiedet. Nina fasst dabei für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler den Dank in einem Satz zusammen: „Es war richtig schön, dass Sie unsere Meinungen hören wollten.“

Von Andreas Thiemann und Ingo Lehnick (epd)