Die Evangelische Kirche im Rheinland hat am Montag in Bonn drastische Einsparungen von 30,7 Millionen Euro bis zum Jahr 2030 beschlossen, um ihren Haushalt zu sanieren und die zweitgrößte Landeskirche in Deutschland zukunftsfest zu machen. Nach intensivem Ringen seien schwierige Entscheidungen getroffen worden, welche Arbeitsbereiche gestrichen, gekürzt oder umgebaut werden, sagte der leitende Theologe Thorsten Latzel nach der einstimmigen Entscheidung des rheinischen Parlaments, der Landessynode, die mehr als zwei Millionen Protestantinnen und Protestanten repräsentiert.
Vor allem im Sozialbereich wurden die über 60 Kürzungsvorschläge zum Schluss abgemildert, das ursprüngliche Sparziel von 33 Millionen Euro soll auf der Basis von Prüfaufträgen noch erreicht werden. Das Sparvolumen entspricht gut einem Fünftel des Etats auf der landeskirchlichen Ebene, die 527 Kirchengemeinden zwischen Niederrhein und Saar sind davon nicht direkt betroffen.
Kürzungen im Sozialbereich abgemildert
Starke Einschnitte wird es mit rund 2,75 Millionen Euro bei den Evangelischen Studierendengemeinden (ESGn) und ihren Wohnheimen geben. Zu Beginn der Synodentagung hatten 300 Studierende gegen die Pläne protestiert und eine Petition mit rund 6.000 Unterschriften übergeben. Die neun ESGn sollen nun auf Kirchenkreisebene weiterentwickelt werden, etwa zu Gemeinden junger Erwachsener. Die Landeskirche will die Arbeit dauerhaft finanziell unterstützen, die Marke „ESG“ soll erhalten bleiben. Die Trägerschaft der sechs Wohnheime für Studierende gibt die rheinische Kirche ab, geprüft werden soll eine Übertragung auf andere Träger oder Studierendenwerke.
Der mit einer Million Euro dotierte Arbeitslosenfonds wird laut der verabschiedeten Finanzstrategie nicht gestrichen, sondern um ein Viertel gekürzt. Auch der mit gut 125.000 Euro gefüllte landeskirchliche Härtefonds wird nicht abgeschafft, sondern um 55.000 Euro reduziert. Erhalten bleiben zudem die bisherigen Haushaltsmittel für Flüchtlingsprojekte, die laut Vorlage um 200.000 Euro - ein Fünftel - verringert werden sollten.
Elternbeiträge an kirchlichen Schulen
Abschwächungen der Sparvorhaben wurden auch für den Etat der Stabsstelle Gender und Vielfalt sowie für das Landespfarramt für Weltanschauungsfragen beschlossen - diese Arbeit soll in Kooperation mit der westfälischen Kirche fortgesetzt werden. Pauschal um 20 Prozent reduziert werden sollen aber schrittweise die Globalzuschüsse für die Kirchengemeinschaft Vereinte Evangelische Mission (VEM) - das spart ab 2036 über 700.000 Euro pro Jahr ein - und für das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL), mit dem allerdings verhandelt werden muss.
Eine finanzielle Entlastung von 2,2 Millionen Euro bis 2030 und mehr als 5,8 Millionen Euro bis 2035 soll die Einführung einkommensabhängiger, aber freiwilliger, Elternbeiträge an den zehn landeskirchlich getragenen Schulen ab dem Schuljahr 2027/28 bringen. Zu den weiteren Streichposten gehören das „Haus der Stille“ im rheinland-pfälzischen Rengsdorf - hier will die Landeskirche ab 2029 nur noch Personal für geistliche Begleitung bezahlen - und die Evangelische Akademie für Land und Jugend in Altenkirchen im Westerwald. Auch bei der Verwaltung wird der Rotstift angesetzt, etwa beim Landeskirchenamt in Düsseldorf mit seinen 330 Beschäftigten.
Auch Synode und Landeskirchenamt kommen auf den Prüfstand
Zu den größten Sparposten zählen Entlastungen, die bereits umgesetzt werden. So sinkt der Anteil der rheinischen Kirche am Finanzausgleich zwischen den evangelischen Landeskirchen um fast neun Millionen Euro pro Jahr. Neben weiteren Maßnahmen sieht die Finanzstrategie auch vor, grundlegende Strukturen der rheinischen Kirche wie das Landeskirchenamt und die Landessynode auf den Prüfstand zu stellen. Ziel sei eine „zukunftsfähige, verschlankte Gestalt“. Auch weitere Synergien mit anderen Landeskirchen werden angestrebt.