Die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava fordert jeden Einzelnen dazu auf, sich aktiv für die Menschenrechte einzusetzen. „Entscheidend ist das Handeln selbst, jeden Tag“, sagte die 43-jährige Künstlerin bei der Eröffnung einer Ausstellung zu den Menschenrechten am Wochenende in Bremen. Demokratie sei kein Geschenk, sondern brauche Beteiligung. Das Engagement lohne sich, auch in nahezu aussichtslosen Situationen.
Die Aktivistin war als eine der Anführerinnen des Widerstands gegen die diktatorische Herrschaft des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko im September 2020 festgenommen und später wegen angeblicher Verschwörung zur Machtergreifung zu elf Jahren Haft in einem Straflager verurteilt worden. Im vergangenen Dezember war sie auch auf internationalen Druck aus politischer Gefangenschaft entlassen worden. 2022 war ihr in Abwesenheit der Internationale Karlspreis verliehen worden, den sie im März dieses Jahres in Aachen persönlich entgegennehmen konnte.
„Nicht nur reden“
„Man kann für Menschen kämpfen, auch wenn alle sagen, dass es keinen Sinn hat“, sagte Kalesnikava. Das habe sie selbst erlebt. „Dass ich frei bin, ist vielen Menschen zu verdanken“, betonte die Bürgerrechtlerin und ergänzte, Europa sei stark genug, Demokratie und Freiheit zu bewahren. „Das hängt aber nicht von einem abstrakten Europa ab, sondern von uns, ob wir etwas tun. Oder nur reden.“
Unter dem Titel „Zusammen. Frei und Gleich.“ ist die Menschenrechts-Ausstellung als Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland bis zum 27. Mai in Bremen zu sehen. Danach soll sie bundesweit gezeigt werden, so bis zum Jahresende in Nienburg, Braunschweig, Merseburg, Steinfurt und Berlin.