In knapp einem Viertel aller Landkreise und kreisfreien Städten in Deutschland liegt das Risiko für schwere Schäden bei einem sogenannten Jahrhunderthochwasser laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) hoch. Auf einer Skala von 0 bis 7,5 befinde es sich in diesen Regionen bei über 4,5, wie aus dem am Montag von der DUH veröffentlichten „Hochwasser-Check 2026“ hervorgeht. Ein mäßiges Risiko zwischen 3,0 und 4,5 bestehe in weiteren 184 Regionen. Der Hochwasser-Risikograd wurde demnach aus der bei einem Jahrhunderthochwasser potenziell von Schäden betroffenen Fläche und den aktuell gefährdeten Wohnadressen errechnet.
Hohe Risikopotenziale weist der Bericht vor allem für Kommunen entlang großer, dicht besiedelter Flussläufe aus, wie dem Ober- und Niederrhein, in Teilen auch für Donau und Elbe. Mit Blick auf Nordrhein-Westfalen wird für den Rhein-Sieg-Kreis das höchste Risiko angegeben. Er steht auf Platz acht des Rankings. Bundesweit steht der Ortenaukreis in Baden-Württemberg an erster Stelle. Den höchsten Risikograd weist laut der Studie der Ortenaukreis in Baden-Württemberg auf. Dort seien aktuell 3.502 Wohnadressen gefährdet, hieß es. Bei einer Überlastung der Schutzinfrastruktur kämen allerdings weitere 22.464 hinzu. Unter den zehn am höchsten eingestuften Kreisen liegen vier in Baden-Württemberg und zwei in Bayern.
Meisten potenziell betroffene Adressen im Kreis Wesel
Den größten Anteil an Risikogebiet gemessen an der Fläche besitzt den Daten zufolge die Stadt Ludwigshafen am Rhein in Rheinland-Pfalz. Dort seien in knapp drei Vierteln des Stadtgebiets bei einem „Jahrhunderthochwasser“ signifikante Schäden zu erwarten. Im Fall einer überlasteten Schutzinfrastruktur lägen die meisten betroffenen Adressen, insgesamt 42.981, im nordrhein-westfälischen Kreis Wesel.
Bei der Flutkatastrophe vor fünf Jahren waren in Deutschland mehr als 185 Menschen durch verheerendes Hochwasser gestorben. Mindestens 136 Menschen verloren in Rheinland-Pfalz ihr Leben, fast alle im Ahrtal. 49 Tote gab es in Nordrhein-Westfalen.
Umwelthilfe wirbt für Auenschutz
Der Bundesgeschäftsführer der DUH, Sascha Müller-Kraenner, forderte angesichts der Ergebnisse einen flächendeckenden Hochwasserschutz in Deutschland. Die effektivste Maßnahme sei demnach der Auenschutz. Besonders an dicht besiedelten Flussläufen sei das potenzielle Schadensmaß besonders hoch.
Die stellvertretende Bereichsleiterin Naturschutz bei der DUH, Sabrina Schulz, bezeichnete es als „riesiges Problem, dass in Überschwemmungsgebieten immer noch gebaut werden darf“. Die Umwelthilfe verlange daher eine „strenge Durchsetzung des Bauverbots“ im Überschwemmungsgebiet sowie eine Priorisierung von „naturbasierten Lösungen im Hochwasserschutz“.
„Jahrhunderthochwasser“ wird häufiger
Schulz wies zudem darauf hin, dass sich die Bezeichnung „Jahrhunderthochwasser“ auf Messreihen in der Vergangenheit bezieht. Eigentlich ist ein solches Ereignis statistisch gesehen einmal in 100 Jahren zu erwarten. Durch die Klimakrise und landschaftliche Veränderungen würden solche Pegel jedoch inzwischen „teilweise fast schon im Jahrestakt“ beobachtet.