Die vier neuen Meldestellen für Diskriminierung in Nordrhein-Westfalen haben im vergangenen Jahr 571 Vorfälle erfasst. Die meisten der gemeldeten rassistischen und queerfeindlichen Fälle fanden im öffentlichen Raum statt, wie aus dem am Montag in Düsseldorf veröffentlichten Bericht des Meldestellenverbundes NRW hervorgeht. Bei den vier Meldestellen können Queerfeindlichkeit, antimuslimischer Rassismus, Antiziganismus sowie andere Formen von Rassismus gemeldet werden. Sie haben ihre Arbeit Mitte März 2025 aufgenommen.
Im Bereich Queerfeindlichkeit wurden laut Bericht für das vergangene Jahr mit 258 Vorfällen die meisten Diskriminierungen gemeldet, gefolgt von Rassismus gegen schwarze und asiatische Menschen sowie andere Gruppen mit 180 Fällen und antimuslimischem Rassismus mit 104 Fällen. Zudem seien 83 Vorfälle von Antiziganismus erfasst worden. In den Kategorien sind auch Fälle von Mehrfachdiskriminierung enthalten, die durch Weiterleitung von mehreren Meldestellen erfasst wurden.
Frauen überdurchschnittlich betroffen
Die meisten der gemeldeten Fälle wurden laut Bericht als Belästigungen eingeordnet, darunter Beleidigungen, Erniedrigungen und Anfeindungen. Teils seien den Betroffenen auch gleiche Rechte verwehrt worden, etwa der Zugang zu Wohnraum, Arbeit oder Gesundheitsleistungen, erklärte das NRW-Gleichstellungsministerium. „Jeder Fall von Diskriminierung ist einer zu viel“, betonte Ministerin Verena Schäffer (Grüne). „Die Daten der Meldestellen sollen helfen, das Dunkelfeld zu erhellen und eine Grundlage für eine bessere Unterstützung der Betroffenen zu schaffen.“
Die Betroffenen berichteten laut den Meldestellen oft von psychischen Folgen der Diskriminierung. Dazu zählten etwa Angst, Hilflosigkeit und das Gefühl, sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen zu müssen.
Frauen seien überproportional oft von Diskriminierung betroffen. Das zeige sich besonders in den Bereichen Antiziganismus mit 67 Prozent und antimuslimischer Rassismus mit 69 Prozent. Mit 78 Prozent beziehe sich Diskriminierung gegen Musliminnen besonders oft auf das äußere Erscheinungsbild und Kleidung, etwa Gewänder wie die Abaya oder das Kopftuch Hidschab, hieß es.
Queerfeindlichkeit: Gewaltsame Angriffe besonders hoch
Im Bereich Queerfeindlichkeit betrafen die Vorfälle den Angaben zufolge am häufigsten Trans-Personen (65). Die Meldestelle verzeichnete 2025 zum Großteil (65 Prozent) Belästigungen. Zudem war der Anteil der physischen Gewalt wie Anspucken, Körperverletzung oder Sachbeschädigung hier mit 30 Prozent deutlich höher als bei den anderen Meldestellen.
Insgesamt gingen bei den Meldestellen bis Ende vergangenen Jahres 871 Meldungen ein. Davon wurden 63 als Angriffe oder Hassmeldungen klassifiziert. In 67 Fällen war die Datenlage unzureichend. Zudem habe es 44 Falschmeldungen gegeben, hieß es. Von den 697 Verbliebenen bezogen sich 126 auf den Zeitraum vor 2025, sie wurden daher im Bericht ebenfalls nicht berücksichtigt.
Neben Betroffenen können auch Zeuginnen und Zeugen Fälle von Diskriminierung anonym online melden. Vorbild für die vier Meldestellen ist die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Nordrhein-Westfalen (RIAS NRW). Die vier Stellen werden von verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen getragen und vom NRW-Gleichstellungsministerium gefördert.