Bei der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Rheinland und in Hamburg hat die Krankenkasse AOK etliche Defizite festgestellt. Nur 13 Prozent der Jungen und Mädchen in den Regionen bewegen sich laut einer Erhebung ausreichend. Etwa jedes fünfte Kind überschreitet die empfohlene Bildschirmzeit in den Sozialen Medien, und bei jedem zehnten Kind gehören große Mengen von Zucker zum Alltag, wie die AOK Rheinland/Hamburg am Dienstag in Düsseldorf bei der Vorstellung ihres „Kindergesundheitsatlas 2026“ mitteilte.
Für die Studie wurden rund 5.000 Eltern im Rheinland und in Hamburg zur Gesundheitssituation ihrer Kinder befragt. Viele Eltern schätzten demnach die Gesundheit ihrer Kinder als gut bis sehr gut ein. Allerdings wiesen 55 Prozent der Jungen und Mädchen laut ihrer Eltern mindestens eine diagnostizierte oder vermutete chronische Erkrankung auf. 29 Prozent zeigten eine „niedrige gesundheitsbezogene Lebensrealität“ und 24 Prozent hatten multiple psychosomatische Beschwerden.
Nur 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen erfüllen WHO-Empfehlungen
Was Kinder heute lernen und leben, präge sie ihr Leben lang, hieß es. Eine zentrale Erkenntnis des „AOK-Kindergesundheitsatlasses“ sei, dass die Empfehlungen zu Bewegung, Ernährung und Mediennutzung „massiv“ verfehlt wurden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag. Dies wurde allerdings von nur 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Rheinland und in Hamburg erreicht. Zehn Prozent waren sogar nur an höchstens einem Tag pro Woche mindestens 60 Minuten körperlich aktiv.
Hinzu kommt das familiäre Umfeld. „Wer Kindergesundheit nachhaltig stärken will, muss wissen, was Familien in ihrem Alltag beschäftigt, wo Unsicherheiten bestehen und welche Unterstützung sie wirklich brauchen“, sagte das Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg, Sabine Deutscher. Gesundheitskompetenz sei dabei ein Schlüssel. Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Eltern (53 Prozent) verfügte laut der Erhebung über eine ausreichende allgemeine Gesundheitskompetenz - sie konnten Gesundheitsinformationen sicher finden, verstehen, beurteilen und im Alltag anwenden.
Intensive Nutzung Sozialer Medien beeinträchtigt körperliche Gesundheit
Auch die intensive Nutzung Sozialer Medien sowie von Video- und Computerspielen beeinträchtigen körperliche Aktivitäten. Aus Elternsicht überschritt knapp ein Viertel (23 Prozent) der Sieben- bis Zehnjährigen die empfohlenen Bildschirmzeiten durch die Nutzung Sozialer Medien deutlich. Mit der Nutzungsdauer Sozialer Medien steige zudem die Anzahl der multiplen psychosomatischen Beschwerden signifikant.
Auch das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen im Rheinland und in Hamburg sei problematisch. Zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen konsumierten demnach täglich mindestens zwei zuckerhaltige Lebensmittel oder Getränke - und das bereits ab dem ersten Lebensjahr. Mit zunehmendem Alter der Minderjährigen steige auch der Konsum der zuckerhaltigen Lebensmittel. Während 14 Prozent der Kleinkinder im Alter von bis zu zwei Jahren zuckerhaltige Säfte mehrmals täglich zu sich nahmen, waren es bei den 14- bis 17-Jährigen schon 20 Prozent.
Viele Eltern erkennen Adipositas bei ihren Kindern nicht
Bei Fettleibigkeit (Adipositas) zeigten sich Zusammenhänge zwischen Ernährung, Bewegung, Mediennutzung und psychischer Belastung besonders stark. Elf Prozent der Kinder und Jugendlichen waren laut Body-Mass-Index (BMI) adipös. Viele Eltern erkannten diesen Sachverhalt aber nicht.
„Der Zuckerkonsum ist mehr als bedenklich, aber wir dürfen Ernährung und Bewegung nicht gegeneinander aufrechnen. Denn auch ein aktives Kind kann einen dauerhaft hohen Zuckerkonsum nicht einfach 'wegbewegen' - und eine ausgewogene Ernährung ersetzt wiederum keine Bewegung“, betonte Christine Joisten, Leiterin der Abteilung Bewegungs- und Gesundheitsförderung an der Deutschen Sporthochschule Köln und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention.