Die Krankenkasse DAK ist besorgt über den starken Anstieg von Erstdiagnosen der Aufmerksamkeitsdefizits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen. 2024 erhielten 17 von 1.000 Kindern und Jugendlichen eine ADHS-Neudiagnose, wie die DAK am Dienstag in Düsseldorf mitteilte. Das entspreche hochgerechnet rund 44.100 jungen Menschen. Im Vergleich zu 2023 sei das ein Plus von neunzehn Prozent.
Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchte ein Team des Marketingunternehmens Vandage mit Wissenschaftlern der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 149.600 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Nordrhein-Westfalen versichert sind. Analysiert wurden demnach rund 7,9 Millionen Versorgungskontakte von 2019 bis 2024. Besonders auffällig seien dabei die Jahre 2023 und 2024 mit den stärksten Anstiegen der ADHS-Neuerkrankungen gewesen, hieß es.
Anstieg bei Mädchen: ADHS kein reines „Jungen-Thema“
Der DAK-Kinder- und Jugendreport zeigt, dass 2024 in NRW mehr als etwa doppelt so viele Jungen wie Mädchen eine ADHS-Neudiagnose bekommen haben. So erhielten 22 Jungen und elf Mädchen je 1.000 Kinder und Jugendliche 2024 erstmals eine ADHS-Diagnose. Das entspricht hochgerechnet rund 29.900 Jungen und 14.200 Mädchen. Im Vergleich zum Vorjahr weisen Mädchen aber mit einem Zuwachs von rund 29 Prozent höhere Steigerungsraten auf als Jungen mit gut 14 Prozent.
Die hyperaktive Komponente sei bei ADHS bei Jungen stärker ausgeprägt, hieß es. Das führe zu häufigeren ADHS-Diagnosen bei Jungen. Das „Aufholen“ der Mädchen könne auf eine verbesserte Erkennung von vorwiegend die Aufmerksamkeit betreffenden Störungsbildern zurückzuführen sein und auch dem Trend einer allgemein erhöhten psychischen Belastung von Kindern folgen, erklärte Stephan Bender, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Köln.
ADHS-Krankheitshäufigkeit bei Kindern auf hohem Niveau
Insgesamt wurden dem Report zufolge 5,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren 2024 in NRW mit einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt. Das entspricht hochgerechnet rund 136.200 jungen Menschen. Gut 43 Prozent von ihnen erhielt eine Verschreibung von Medikamenten. ADHS ist eine Störung der neuronalen Entwicklung eines Kindes. Die Störung kann im Nervensystem, im Gehirn oder auf der Interaktionsebene auftreten.