Sportjournalist: Fußball-WM ist ein "großes Geldverdienfestival"
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Fußball-Fan (Archivbild)
Köln (epd).

Fußballweltmeisterschaften haben sich laut Sportjournalist Philipp Köster mittlerweile sehr weit vom normalen Fußball entfernt. „Es ist ein großes Geldverdienfestival mit ein paar fußballerischen Elementen“, sagte der Chefredakteur des Fußballmagazins „11Freunde“ am Montag im WDR5-„Morgenecho“. Die Frage sei, ob sich die Europäer und der Deutsche Fußballbund das noch länger gefallen lassen möchten.

Mit Blick auf die am Sonntag mit dem Sieg Spaniens zu Ende gegangene WM in den USA, Mexiko und Kanada erklärte Köster, dass das Fazit zwiespältig sei. Die Stimmung in den Stadien sei nicht schlecht gewesen. Sehr viele Fans, darunter Mexikaner, Kolumbianer und Ecuadorianer, hätten das Turnier „sehr bunt gemacht“. „Gleichzeitig war es aber auch ein Fest des Turbokapitalismus“, kritisierte er. Es sei teilweise eine „obszöne Veranstaltung voller Kommerz“ gewesen.

Schaden für die FIFA „fast irreparabel“

Teil davon sei die Einflussnahme von US-Präsident Donald Trump auf FIFA-Chef Gianni Infantino. Nach einer Entscheidung der FIFA durfte der US-Nationalstürmer Folarin Balogun trotz einer Roten Karte im Achtelfinale gegen Belgien spielen. Die FIFA hatte die ursprünglich automatische Sperre von einem Spiel zur Bewährung ausgesetzt. Zuvor hatte Trump bei Infantino angerufen.

Der Schaden für die FIFA ist laut Köster „fast irreparabel“. „Dass es politische Einflussnahme gibt, ist eine Schande“, unterstrich er. Es sei immer gut gewesen, wenn die FIFA sich aus „parteipolitischen, staatspolitischen Dingen“ herausgehalten habe. Das sei aber schon seit vielen Jahren nicht mehr der Fall, wie etwa die Nähe zu Autokraten in Russland und Katar gezeigt hätten. Die bisher punktuellen Proteste der europäischen Verbände reichten nicht aus, wenn sich etwas ändern solle. Vielmehr müssten sie ein Gegenkonzept vorlegen und auch die kleineren Verbände miteinbeziehen.