Polizeihund "Wuschel" hilft - Polizeipuppenbühne besucht Kita-Kinder
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Polizeihund "Wuschel" hilft - Polizeipuppenbühne besucht Kita-Kinder
Maxdorf, Dierdorf (epd).

„Wuschel“ legt traurig den Kopf auf seine Pfoten. Sein Stummelschwänzchen ist blutig und schmerzt. Ein Laster ist ihm darübergefahren, als er beim Überqueren der Straße nicht aufgepasst hat, sagt er kleinlaut. Polizistin Susanne Lantz schüttelt vor der Puppenbühne den Kopf. „Wuschel, Wuschel“, fragt sie ihn, „wie lange guckst du schon nach rechts und links, bevor du über die Straße gehst?“ Der Puppenhund ist ehrlich: „Seit gestern.“

Schallendes Gelächter im Turnraum der protestantischen integrativen Kita „Wiesenhüpfer“ im pfälzischen Maxdorf. Die mobile Polizeipuppenbühne des Polizeipräsidiums Ludwigshafen ist an diesem Morgen zu Gast. Sie ist dieses Jahr 50 Jahre alt und die älteste in Rheinland-Pfalz. Rund 25 Kinder und ihre Erzieherinnen und Erzieher sind gespannt, was der Hund in dem 40-minütigen Puppenstück „Polizeihund Wuschel und eine gefährliche Begegnung“ erlebt.

Schutz im Straßenverkehr und vor Verbrechen

Das Puppenspiel mit Handpuppen hat einen ernsten Hintergrund: „Es geht darum, die Vorschulkinder auf die Gefahren im Straßenverkehr vorzubereiten und sie auch vorsorglich vor Verbrechen wie sexuellem Missbrauch zu schützen“, sagt Polizeihauptkommissarin Lantz. Gemeinsam mit ihren Kollegen leistet sie bis zu viermal pro Woche Präventionsarbeit in Kitas in Ludwigshafen und der Region. Die Nachfrage nach dem kostenlosen Angebot ist groß, und es gibt eine lange Warteliste, wie die Polizeibeamten erzählen.

Erste Polizeipuppenbühne entstand 1948

Seit fast 80 Jahren gibt es Polizeipuppenbühnen in ganz Deutschland, die erste entstand 1948 in Hamburg. Heute kooperieren zahlreiche Bühnen im gesamten Bundesgebiet sowie in der Schweiz, Österreich und Belgien, informiert der Verein zur Förderung der Methode Puppenspiel in der Kriminal- und Verkehrsprävention mit Sitz in Dierdorf im Westerwald. Das Netzwerk mit 230 Mitgliedern bietet Fortbildungen und Workshops an.

Das Konzept kommt offenbar auch im Zeitalter der Digitalisierung an: Mit Handpuppen erzählen pädagogisch geschulte Polizeibeamte den Kindern Geschichten, ein wenig Spannung und Humor gehört dazu. Die Jungen und Mädchen fühlen mit den Figuren mit. „Dadurch ist der 'Behaltenswert' des Erlebten besonders hoch“, sagt Hauptkommissarin Lantz. Für viele Kinder sei das Figurenspiel der Polizeipuppenbühne zudem ein positiver Erstkontakt mit der Polizei. „Sie erfahren, dass sie sich immer an uns wenden können und keine Angst haben müssen“, erklärt Lantz, die selbst Mutter ist.

Tipps für den sicheren Weg in die Kita

Eine große Rolle spielt für die Puppenspieler der Polizei auch die Arbeit mit den Eltern sowie den Erzieherinnen und Erziehern in den Kitas. Vor der „Wuschel“-Aufführung gibt Lantz im Gespräch mit einigen Müttern Tipps, wie Kinder möglichst sicher in die Kita kommen: Sie sollten Westen mit Reflektoren und helle Mützen tragen, um besser gesehen zu werden. Eltern sollten gemeinsam mit ihren Kindern den Weg zur Kita „üben“ und sie dann alleine in Gruppen gehen lassen. Und nie sollten Kinder ohne Helm Fahrradfahren, betont die Polizistin: „Konsequent bleiben, die Sicherheit der Kinder geht vor.“

Zeitgleich spricht Hauptkommissar Dennis Friedrich mit den Kindern in einem Stuhlkreis über das zweite Thema des Polizeipuppenspiels: Schutz vor Verbrechen und sexualisierten Übergriffen. Friedrich erklärt den Kindern, dass sie ein Recht auf ihren eigenen Körper haben. Was tun, wenn jemand „komische Bilder von nackten Menschen“ zeige oder die Kinder berühren wolle, fragt er. Valérie meldet sich: „Den Eltern sagen!“. Und Milo schlägt vor: „Man ruft: 'Hilfe, ich kenne Sie nicht!'“ Polizist Friedrich nickt - die Kinder haben verstanden.

Kinder schließen „Wuschel“ ins Herz

In der Aufführung haben die Kita-Kinder „Wuschel“ schnell in ihre Herzen geschlossen. Plötzlich taucht im Stück „Herbert“ auf, der die Puppenfiguren Lasse und Susi zum „Apfelkuchenbacken“ mit nach Hause nehmen will. Die Kinder springen von ihren Stühlen. „Er will sie entführen!“, schreit Liam. Gemeinsam mit „Wuschel“ locken sie Herbert mit einer Kiste voller leckerer Äpfel an und nehmen ihn fest.

„Dank eurer Hilfe haben wir den Herbert eingefangen“, lobt Polizistin Lanz. Den Auftritt von „Wuschel“ und seinen zweibeinigen Kollegen in Uniform werden die Kita-Kinder so schnell wohl nicht vergessen. „Das war für uns ein Highlight“, sagt Kita-Leiterin Alexandra Schalk. Die Polizisten packen ihre Handpuppen ein und klappen die Bühne zusammen. „Tschüs, kommt gut nach Hause“, ruft ihnen der kleine Emerik hinterher.

Von Alexander Lang (epd)