Nach Tod von Rita Süssmuth: Trauerstaatsakt und viel Anerkennung
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Rita Süssmuth
Neuss, Berlin (epd).

Die gestorbene frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) wird mit einem Trauerstaatsakt gewürdigt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe dies angeordnet, erklärte das Präsidialamt am Montag. Über den Termin und weitere Details entscheidet der Bundestag. Die frühere Parlamentspräsidentin sowie Familien- und Gesundheitsministerin war am Sonntag im Alter von 88 Jahren in Neuss gestorben. Stimmen aus der ganzen Bundesrepublik und NRW würdigten den leidenschaftlichen Einsatz der Politikerin für Themen wie Gleichberechtigung, Integration und HIV-Prävention.

Bundespräsident Steinmeier bezeichnete Süssmuth als „Vordenkerin, Vorkämpferin und Vorbild“. Mit Mut, Beharrlichkeit, Humor und Überzeugungskraft habe sie „maßgeblich dazu beigetragen, in unserem Land Schritt für Schritt mehr Gleichberechtigung in die Tat umzusetzen“, heißt es in einer Mitteilung Steinmeiers von Sonntagabend.

Merkel: Süssmuths Stimme wird fehlen

Altbundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verwies ebenfalls auf Süssmuths Einsatz für die Gleichberechtigung der Geschlechter. „Dabei machte sie vielen Mut, so auch mir Anfang der 1990er Jahre als Frauenministerin“, schrieb Merkel. Sie erinnerte auch an Süssmuths Einsatz gegen HIV und Aids. Als Gesundheitsministerin in den 1980 Jahren sei sie „mutig und gegen viele Widerstände“ für Enttabuisierung und Prävention eingetreten. Als Bundestagspräsidentin habe sie sich zudem für eine lebendige Debattenkultur und die Rechte der parlamentarischen Minderheiten eingesetzt. Süssmuths Stimme werde fehlen.

Steinmeier betonte zudem, Integration sei Süssmuth „ein Herzensanliegen“ gewesen. Sie habe „mutig und maßgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland sich einer aufgeklärten Einwanderungspolitik öffnete“. Aus der Landesintegrationsrat NRW würdigte ihre Verdienste in dem Bereich. Wie kaum eine andere Persönlichkeit habe Süssmuth „die Bedeutung von Migration als Bereicherung und Zukunftschance für unsere Gesellschaft verstanden und dieses Verständnis mit großer Überzeugung öffentlich vertreten“, betonte der Vorsitzende Tayfun Keltek am Montag in Düsseldorf. Sie habe Menschen mit internationaler Familiengeschichte als Bereicherung gesehen.

Zentralkomitee der Katholiken: Frauen haben ihr „unendlich viel zu verdanken“

Die Präsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, betonte, die Frauen in Deutschland hätten Süssmuth „unendlich viel zu verdanken“. Sie verwies unter anderem auf Äußerungen der CDU-Politikerin, wonach „Frauen in einem Schwangerschaftskonflikt ihre eigene Entscheidung treffen müssen“. Süssmuth hatte sich in der Laienorganisation engagiert.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hob Süssmuths Bemühungen um die Erinnerungskultur und die Aussöhnung mit Israel hervor. Sie habe Verantwortung „als Auftrag an das Handeln in Gegenwart und Zukunft“ verstanden, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster.

Hilfsorganisation Care verliert Schirmherrin

Die Hilfsorganisation Care Deutschland verliert mit Süssmuth ihre Schirmherrin. Sie sei „eine außergewöhnliche Unterstützerin, deren Weitsicht, Tatkraft und Herzenswärme unvergessen bleiben werden“, erklärte die Organisation am Montag in Bonn. Über fast drei Jahrzehnte hinweg habe sie die Hilfsorganisation als Wegbegleiterin, Impulsgeberin und Fürsprecherin entscheidend mitgeprägt.

Im Neusser Rathaus liegt seit Montag ein Kondolenzbuch aus. Süssmuth war erste Ehrenbürgerin der Stadt und lebte mehr als 50 Jahren in Neuss. Bürgermeister Reiner Breuer (SPD) würdigte die ehemalige CDU-Politikerin als „überzeugte Brückenbauerin“, die an die Kraft des Gesprächs geglaubt habe.

Süssmuth, geboren 1937 in Wuppertal, war von 1985 bis 1988 Familien- und Gesundheitsministerin. Von 1988 bis 1998 war sie Präsidentin des Deutschen Bundestages, der bis 1999/2000 in Bonn tagte.

Von Nora Frerichmann (epd)