Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat im vergangenen Jahr 656.030 Verkehrsunfälle registriert. Das waren 11.000 mehr als 2024, wie aus der in Düsseldorf vorgestellten Unfallbilanz hervorgeht. Auch die Zahl der Verunglückten sei um 2.323 auf 81.231 gestiegen. Davon kamen den Angaben zufolge 479 Menschen ums Leben - sechs weniger als 2024. Rund 10.000 Menschen seien bei Unfällen schwer verletzt worden.
Den Hauptgrund für die gestiegenen Unfallzahlen sieht NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im gestiegenen Verkehrsaufkommen: „Es wird dichter, vielfältiger und damit komplexer.“ Autos und Fußgänger müssten sich den bestehenden Verkehrsraum mit mehr Fahrrädern, Pedelecs, Lastenrädern, E-Scootern und Motorrädern teilen, während neue Straßen und Wege kaum noch dazukämen.
Junge Menschen unterschätzen Pedelec-Geschwindigkeit
Besorgt äußerte sich Reul über den Radverkehr, auf den 2025 ein Drittel aller Unfälle mit Verletzten entfiel. Dabei kamen 106 Menschen ums Leben - der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre. Mit Blick auf steigende Unfallzahlen mit E-Bikes von Kindern und Jugendlichen erklärte Reul: „Das Pedelec ist längst kein Seniorenfahrzeug mehr.“ Viele junge Menschen unterschätzten die Geschwindigkeit des Gefährts.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in NRW bezeichnet die Entwicklung als „alarmierend“ und fordert konkrete Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit. Statistisch gesehen würden wöchentlich zwei Radfahrende in NRW im Straßenverkehr wöchentlich getötet. „Es braucht ein sicheres und durchgängiges Radwegenetz, ein geringeres Verkehrstempo und sichere Kreuzungen“, betonte ADFC-Sprecher Marc Zietan. Zudem müsse die Polizei gezielt kontrollieren, ob sichere Überholabstände und Geschwindigkeiten eingehalten werden.
ADAC: Schwächere Verkehrsteilnehmer besser schützen
Ähnlich ist die Entwicklung bei den E-Scootern, mit denen im Vorjahr rund 3.900 Menschen verunglückten - 50 Prozent mehr als 2024 und damit der höchste Zuwachs bei allen Fahrzeugsparten. Obwohl E-Scooter erst ab 14 Jahren erlaubt sind, verunglückten mit 566 unter 14-Jährigen 72 Prozent mehr. Reul plädierte deshalb für eine Prüfbescheinigung für den E-Scooter vergleichbar mit der für ein Mofa. Bei der Hälfte der Unfälle mit E-Scootern waren den Angaben zufolge deren Fahrer und Fahrerinnen schuld - oft wegen unangepasster Geschwindigkeit.
Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) Nordrhein sprach sich für mehr Kontrollen und einen stärkeren Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer aus. Dafür seien Beschilderungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Sanierungen sinnvoll, sagte der verkehrspolitische Sprecher des ADAC in NRW, Roman Suthold. Er forderte zudem mehr Rücksicht aufeinander. „Wer das eigene Weiterkommen stört, wird heute schnell zum Feindbild, und das Verständnis füreinander schwindet“, betonte er. Intensive Kontrollmaßnahmen könnten unbelehrbaren Verkehrsteilnehmern Grenzen aufzeigen.
Alkohol macht höchsten Anteil der Unfälle unter Drogen aus
Besorgt zeigte sich Innenminister Reul auch über den neuen Höchststand bei Todesfällen durch illegale Autorennen. 2025 seien dadurch 19 Menschen ums Leben gekommen. Mit von der Polizei registrierten 2.384 verbotenen Rennen habe es auch hier einen traurigen Rekord gegeben. „Wer unsere Straßen zur Rennstrecke macht, begeht eine Straftat“, betonte der Minister.
Auch beim Thema Drogen am Steuer gibt die Bilanz keine Entwarnung. Bei Verkehrskontrollen gab es in 25.000 Fällen Hinweise auf Drogenkonsum - auch das sei ein neuer Rekord. Insgesamt wurden laut Bilanz 4.404 Unfälle unter Drogeneinfluss registriert, davon hatte Alkohol mit 3.274 Fällen den größten Anteil. Den größten Zuwachs gab es bei Cannabis mit einem Anteil von 506 Unfällen - ein Plus von 23 Prozent.