Langer Weg in eine neue Normalität
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Fünf Jahre nach der Flut gewinnt das Thema Vorsorge an Bedeutung.
Fünf Jahre nach der Flut gewinnt das Thema Vorsorge an Bedeutung
Altenahr, Düsseldorf (epd).

Am 14. Juli 2021 kauert Daniela Paffenholz mit ihrer Familie auf einer Dachgaube und erlebt, wie ihr Zuhause in den Fluten versinkt. Nachdem das Wasser abgeflossen ist, stellt sich heraus: Das Heim der Familie in Altenahr-Altenburg ist nicht mehr zu retten. Rund drei Jahre lang lebt die Familie Paffenholz danach in einem mit gespendeten Möbeln eingerichteten Mietshaus in der Eifel. Inzwischen hat sie es geschafft: Auf ihrem Grundstück steht nun ihr neues Zuhause - hochwassersicher auf Stelzen errichtet.

Dennoch sind die Folgen der Katastrophe für die Familie auch nach fünf Jahren noch spürbar. „Es ist immer noch zermürbend“, sagt Daniela Paffenholz. Sie und ihr Ehemann mussten einen Kredit aufnehmen. Das Geld aus der Versicherung reichte nicht für den Neubau und die starken Kostensteigerungen während der Bauzeit. Zwar sprang der staatliche Wiederaufbaufonds ein. Doch so wie viele andere Antragsteller habe auch sie Ärger mit der Anerkennung von Kosten und Ausgaben, sagt Paffenholz.

Blick richtet sich nach vorne

Grund sei, dass der Neubau nach den Bestimmungen der Wiederaufbauhilfe nicht über den Standard des verlorenen Hauses hinausgehen dürfe. Doch oft sei das kaum möglich, sagt Paffenholz und nennt ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Fußbodenheizungen seien bei Neubauten mittlerweile der Normalfall. Da sie aber vom Standard des früheren Hauses aus den 1960er Jahren abwichen, habe der Wiederaufbaufonds diese Ausgabe bislang nicht anerkannt.

Dennoch richtet Paffenholz jetzt den Blick nach vorne. „Ich bin froh, im Ahrtal zu wohnen“, sagt sie. Zugleich verschließe sie aber nicht die Augen vor den Risiken des Lebens an dem Fluss. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern aus dem Ort sucht sie deshalb nach praktischen Lösungen, wie für künftige Hochwasserereignisse besser vorgesorgt werden kann. „Man sollte sich nicht nur auf die da oben verlassen, sondern selbst etwas tun“, lautet ihr Fazit der Katastrophe, die insgesamt 185 Menschen das Leben kostete.

Vorsorge wird vorangetrieben

„Die Zivilgesellschaft muss in Deutschland bei der Prävention mehr mitgedacht werden“, bestätigt Markus Koth, Koordinator Nationale Katastrophenhilfe der Diakonie Katastrophenhilfe (DKH). Die Hilfsorganisation hat die meisten Projekte in den Hochwassergebieten zwar nach fünf Jahren abgeschlossen. Die Spendengelder in Höhe von 47,9 Millionen Euro wurden ausgegeben oder sind in Projekten gebunden. Nun sieht die DKH ihre Aufgabe darin, gemeinsam mit den Betroffenen die Vorsorge voranzutreiben.

Drei Quartiersprojekte in den nordrhein-westfälischen Städten Erftstadt und Eschweiler sowie in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Hönningen an der Ahr arbeiten daran, den Katastrophenschutz mit Hilfe bürgerschaftlichen Engagements zu stärken. Dabei würden Katastrophenschutz-Anlaufstellen aufgebaut, erklärt Koth. Zum Beispiel werde im Ahrtal eine Schutzhütte mit Unterstützung der DKH so hergerichtet, dass sie im Fall einer Flut als Anlaufstelle für die Bevölkerung dienen kann.

Viele haben das Trauma der Flutnacht noch nicht bewältigt

Auch Daniela Paffenholz wünscht sich eine Anlaufstelle in ihrer Nähe für den Fall einer Flut - bislang allerdings vergeblich. Positiv bewertet die 46-Jährige aber die Präventionsmaßnahmen am Flussufer. Sie und die Mitstreiter ihrer Initiative konnten Kommune und Planungsbüros dabei beraten, wo das Ufer abgeflacht werden sollte, um dem Fluss mehr Raum zu geben. „Wir wussten ja zum Beispiel, wo das Wasser bei steigendem Pegel immer zuerst über die Straße läuft“, sagt Paffenholz. Als es im Winter lang anhaltend geregnet habe, hätten sich die Maßnahmen schon bewährt. „Bei starkem Regen ist die Angst aber immer noch da“, räumt sie ein.

Nach wie vor gibt es im Ahrtal viele Menschen, die das Trauma der Flutnacht noch nicht bewältigt haben. „Der Bedarf nach Psychotherapie ist unverändert hoch“, sagt Katharina Scharping, Leiterin des Traumahilfezentrums im Ahrtal. Neben den Menschen, die noch in Behandlung sind, kämen auch immer noch Betroffene, die zum ersten Mal Hilfe suchen. Oft gelinge es diesen Menschen, die Probleme zu kompensieren, bis dann eine weitere Belastung oder ein Schicksalsschlag „das Fass zum Überlaufen“ bringe, erläutert Scharping. Häufig gebe es lange Wartezeiten für einen Therapieplatz: „Der Bedarf an psychotherapeutischer Hilfe ist in meiner Wahrnehmung bei weitem nicht gedeckt.“

Anderer Blick auf das Leben

Daniela Paffenholz hat die traumatischen Stunden auf dem Dach nach fünf Jahren weitgehend verarbeitet. Neben psychotherapeutischer Unterstützung half ihr auch ein kunsttherapeutisches Projekt. „Ich habe meinen Frieden damit gemacht“, sagt sie zu den Ereignissen. „Ich habe jetzt einen anderen Blick darauf, was mir im Leben wichtig ist.“ Den fünften Jahrestag der Flut begeht Paffenholz sehr bewusst mit der Teilnahme an einer Gedenkveranstaltung im Ort. „Es ist ein Tag zum Reflektieren und Innehalten.“

Von Claudia Rometsch