Die Internationale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem will zwei Niederlassungen in Deutschland gründen. Geplant ist ein Bildungszentrum in München und eine Dependance in Leipzig, wie die Gedenkstätte in Jerusalem mitteilte. Das neue Bildungszentrum soll demnach in drei Jahren öffnen. Ursprünglich waren auch Köln und Düsseldorf als mögliche Standorte in der engeren Auswahl. Die NRW-Staatskanzlei sicherte Yad Vashem weiter Unterstützung zu.
Der Vorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan, erklärte, eine historisch fundierte Holocaust-Bildung sei wichtiger denn je, da Überlebende des Holocaust als Zeitzeugen bald nicht mehr zur Verfügung stünden. Die Wahl Münchens als Geburtsstätte der NSDAP und „Hauptstadt der Bewegung“ habe eine tiefe symbolische Bedeutung.
Erste Außenstellen außerhalb Israels
Die Niederlassungen in München und Leipzig sind die ersten außerhalb Israels. Das Bildungszentrum in München soll am Karolinenplatz im Zentrum von München errichtet werden, wie es hieß. Die Dependance in Leipzig soll im bereits bestehenden Ariowitsch-Haus ihren Platz finden, einem Ort der Bildung, Kultur und Begegnung.
NRW-Staatskanzleichef Nathanael Liminski (CDU) sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass NRW Yad Vashem „als verlässlicher Partner bei der geplanten bundesweiten Ausrichtung der Bildungsarbeit“ unterstützen werde. Dafür werde das Bundesland seine Bildungs- und Gedenkstättenlandschaft sowie das politische und gesellschaftliche Engagement gegen Antisemitismus und für Erinnerungskultur einbringen.
„Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust bleibt eine dauerhafte Verantwortung unseres Landes und ein zentrales Thema der politisch-historischen Bildung“, unterstrich er. Er dankte den Kommunen, die die Bewerbung Nordrhein-Westfalens unterstützt hätten.
Köln bekräftigt Einsatz für jüdisches Leben
Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) nannte die Entscheidung gegen Köln zwar enttäuschend, aber gratulierte München und Leipzig. „Gerade in Zeiten, in denen antisemitische Vorfälle wieder zunehmen, bleibt es unsere gemeinsame Aufgabe, jüdisches Leben zu schützen, sichtbar zu machen und Bildung sowie Aufklärung weiter zu stärken“, unterstrich er. „Köln wird diesen Weg konsequent weitergehen.“
Die Ministerpräsidenten aus Bayern und Sachsen freuten sich über die Entscheidung der Gedenkstätte. Bayern werde für Yad Vashem ein gutes Zuhause sein, erklärte Regierungschef Markus Söder (CSU). Sein sächsischer Amtskollege Michael Kretschmer (CDU) betonte, die Pläne seien für sein Bundesland eine große Ehre und zugleich Verpflichtung. Leipzig könne auch eine „Brücke nach Osteuropa“ sein.
Antisemitismusbeauftragter: Angebot richtet sich an ganz Deutschland
Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, begrüßte die Entscheidung. „Gerade in den neuen Bundesländern ist es wichtig, Erinnerungskultur mit neuen Impulsen zu betreiben - denn Rechtspopulisten nutzen dort ganz besonders das Narrativ der Schuldabwehr für NS-Verbrechen, wollen einen Schlussstrich unter die deutsche Vergangenheitsbewältigung ziehen“, sagte er der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Freitag). Klar müsse aber auch sein, „dass das Serviceangebot von Yad Vashem sich an ganz Deutschland richtet“.
Die Europäische Rabbinerkonferenz mit Sitz in München erklärte, die Zentren würden dabei helfen, das Bewusstsein für die Schoah in die nächste Generation zu tragen. In einer Zeit wachsender antisemitischer Bedrohungen sei Bildung der entscheidende Schlüssel.
Idee entstand 2023
Die Idee für das Bildungszentrum in Deutschland wurde erstmals 2023 bei einem Treffen zwischen Dayan und dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vorgebracht. Die schwarz-rote Koalition hatte das Projekt ebenfalls unterstützt.
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte, gerade junge Menschen in Deutschland wüssten zu wenig über die Schoah und die systematische Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus. „Das Wissen über das, was war, ist wichtig, um das Übel in der Zukunft zu verhindern.“
Yad Vashem wurde 1953 gegründet und versteht sich als „lebendiges Denkmal des jüdischen Volkes für den Holocaust“.