Friedman und Neubaur mahnen zum Schutz jüdischen Lebens
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Mona Neubauer.
Düsseldorf (epd).

Für ihre Verdienste um die jüdische Gemeinschaft hat die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) die Josef-Neuberger-Medaille der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf erhalten. Die Auszeichnung würdige ihr langjähriges Engagement für jüdisches Leben und ihren entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus, erklärte die Gemeinde bei der Verleihung. Neubaur und der Laudator Michel Friedman riefen eindringlich zum Schutz jüdischen Lebens auf.

Jüdisches Leben sei so gefährdet wie noch nie, sagte der Publizist und frühere stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden. „Und die Lebensqualität jüdischer Menschen ist so schlecht wie noch nie.“ Damit werde das Gründungsversprechen der Bundesrepublik verletzt, die Sicherheit jüdischen Lebens zu gewährleisten. „Gewalt gegen Juden und Jüdinnen ist keine Theorie“, betonte Friedman. „Sie ist eine alltägliche Realität.“

Immer klar Position bezogen

Mit Neubaur werde eine Persönlichkeit geehrt, der es ein Anliegen sei, dass „jüdisches Leben zum deutschen Leben gehört“ und unterstützt werden müsse. Das tue sie aus dem Selbstverständnis heraus, dass Deutsche egal welcher Kultur oder Religion zusammenleben sollten, sagte Friedman.

Die Jüdische Gemeinde hob hervor, dass Neubaur insbesondere seit dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 regelmäßig an Gedenkveranstaltungen teilgenommen und sich nachdrücklich für die Freilassung der israelischen Geiseln eingesetzt habe. Sie habe immer wieder klar Position bezogen, wenn jüdisches Leben bedroht oder antisemitische und israelfeindliche Positionen sichtbar geworden seien.

Besorgnis über Antisemitismus

Neubaur stehe verlässlich an der Seite der jüdischen Gemeinschaft und setzte sich mit großer Überzeugung dafür ein, „dass jüdisches Leben in Nordrhein-Westfalen sicher, sichtbar und selbstverständlich stattfinden kann“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Oded Horowitz. Sie habe gezeigt, „dass Solidarität nicht bei Worten enden darf“.

Neubaur nahm den Preis „voller Dankbarkeit und Demut“ entgegen und zeigte sich besorgt über wachsenden Antisemitismus. Im vergangenen Jahr habe man mit 1.102 gemeldeten antisemitischen Übergriffen in Nordrhein-Westfalen einen „dramatischen Höhepunkt“ erlebt.

Die Betroffenen müssten sich darauf verlassen können, dass antisemitische Straftaten „konsequent“ verfolgt werden, forderte die stellvertretende NRW-Regierungschefin. Zudem müsse die Erinnerung an den Holocaust lebendig gehalten werden. Begegnungen mit Jüdinnen und Juden sollten intensiviert werden, um gemeinsam jüdisches Leben und jüdische Kultur zu feiern.

Ehrung für Verdienste um jüdische Gemeinschaft

Die seit 1991 von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf vergebene Medaille ehrt nichtjüdische Personen oder Institutionen, die sich um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben. Sie ist nach dem früheren NRW-Justizminister Josef Neuberger (1902-1977) benannt. Der Jurist und SPD-Politiker war 1949 nach Deutschland zurückgekehrt, nachdem er das Land wegen seiner jüdischen Herkunft während der NS-Zeit verlassen hatte.

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf hat rund 7.000 Mitglieder. Sie ist die größte in NRW und die drittgrößte in Deutschland.

Von Michael Bosse (epd)