Bahnhofsmission Köln: Alkoholkonsumverbot behindert Arbeit nicht
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Bahnhofsmission: Sozialarbeit im Bahnhof
Ko-Leiterin bescheinigt DB-Sicherheit maßvolle Umsetzung der Regeln
Köln (epd).

Das generelle Verbot auf allen Bahnhöfen, Alkohol zu trinken, nährt die Befürchtung, dass obdachlose oder suchtkranke Menschen aus den Stationen vertrieben werden. In Köln ist das Trinkverbot schon länger in Kraft. Die stellvertretende Leiterin der ökumenisch getragenen Bahnhofsmission, Ursula Lennartz, kann Übergriffe von Sicherheitskräften nicht bestätigen. „Mit den Gästen, die zu uns kommen, wird überwiegend gut umgegangen“, sagt sie im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

epd: Frau Lennartz, seit wenigen Tagen gilt ein Alkoholkonsumverbot an sämtlichen deutschen Bahnhöfen. In Köln ist das bereits seit April der Fall. Wie läuft die Umsetzung?

Ursula Lennartz: Die Mitarbeitenden der DB-Sicherheit sind im Bahnhof unterwegs und sprechen alle Personen an, die ihnen beim Trinken von Alkohol auffallen. Übergriffe oder Vertreibungen von obdachlosen, auch alkoholisierten Menschen, die sich hier aufhalten, haben wir nicht erlebt. Für uns ist wichtig, dass es bei der Regel gerecht zugeht. Es müssen für alle die gleichen Bedingungen gelten. Da werden wir als Bahnhofsmission sicher auch mit darauf achten.

epd: Besteht die Gefahr, dass diese vulnerable Gruppe als Folge des Verbots verdrängt wird?

Lennartz: Das würde ich bisher nicht sagen. Das öffentliche Trinken ist untersagt, aber dieses Verbot wird ja gegenüber allen Gruppen in den Stationen im Bahnhof durchgesetzt. Unsere Befürchtung war eher, dass Menschen, die in prekären Situationen leben, vielleicht krank sind oder ein Alkoholproblem haben, wegen der Hürde des Verbots nicht mehr den Weg zu uns in die Bahnhofsmission finden. Doch das ist bisher nicht so. Die Menschen kommen nach wie vor zu uns, sie werden bisher auch nicht von den Ordnungskräften abgewiesen. Es gibt auch Sicherheitsleute und auch Polizeibeamtinnen, die hilfsbedürftige Menschen zu uns bringen.

epd: Bleibt der Bahnhof auch künftig als öffentlicher Raum auch für die Schwächsten der Gesellschaft zugänglich?

Lennartz: Ich kann das nur für uns in Köln sagen. Hier ist das überwiegend gegeben. Wir haben ein recht gutes Verhältnis zur DB-Sicherheit, zum Bahnhofsmanagement und zur Bundespolizei. Das ist vermutlich nicht in allen Bahnhöfen so. Wir haben einen runden Tisch, wo wir über Probleme sprechen. Natürlich ist man nicht immer in allem einer Meinung. Aber der regelmäßige Austausch macht es für uns einfacher, Schritte wie das neue Verbot auch mitzugehen. Ich kann sagen: Hier im Bahnhof wird mit den Gästen, die zu uns kommen, überwiegend gut umgegangen. Gibt es Probleme, dann können sie angesprochen werden.

epd: Ist Ihre Arbeit anderweitig von den neuen Regeln beeinflusst?

Lennartz: Ja, denn wir kommen jetzt teilweise mit Menschen, die Alkohol konsumieren, schwieriger in Kontakt, wenn wir ausgehenden Dienst machen. Wir sind ja nicht nur in der Bahnhofsmission tätig, sondern sind immer auch im Bahnhof unterwegs. Neben den Reisehilfen sprechen wir auch Menschen an, denen es sichtbar nicht gut geht. Auch diesen Personen bieten wir Beratung und Hilfe an. Das wird schwieriger, denn die Betroffenen werden seltener hier vor Ort im Bahnhof, sondern eher im Umfeld des Bahnhofs anzutreffen sein.

epd: Das ist die Folge, wenn die Betroffenen nur aus dem Bahnhof weggeschickt werden ...

Lennartz: Genau. Und das macht auch etwas Sorge. Denn die Probleme, die etwa alkoholkranke und wohnungslose Menschen haben, sind ja nicht weg, wenn sie den Bahnhof verlassen müssen. Sie werden weggeschickt, aber nicht zu einem anderen Ort hingeschickt. In Köln, aber vermutlich auch andernorts, wäre eine Anlaufstelle in Bahnhofsnähe wünschenswert. Das ist aber keineswegs nur eine Sache der Bahn. Hier sind verschiedene Player, sicher auch die Kommunen, gefordert. Es ist schwierig, Menschen nur von Ort zu Ort zu schicken. Sie brauchen einen Anlaufpunkt.

epd: Halten Sie das Trinkverbot grundsätzlich für richtig?

Lennartz: Ich glaube, es ist wünschenswert für Reisende, Kundinnen und Kunden und Bahnbeschäftigte, einen möglichst sicheren und sauberen Bahnhof zu haben. Niemand findet es gut, wenn rumgepöbelt wird, auch nicht unter Alkoholeinfluss. Unter Alkoholkonsum kann die Hemmschwelle sinken, auch zur Gewalt. Das Verbot kann aus meiner Sicht als eine Maßnahme dazu beitragen, dass die Bahnhöfe sicherer werden. Davon profitieren dann auch vulnerable Gruppen wie obdachlose Menschen. Denn auch sie sind Pöbeleien oder Gewalt von Menschen unter Alkoholeinfluss ausgesetzt.

epd: Ist das Vorgehen der Bahn konsequent? Es wird ja weiterhin Bier, Wein oder Schnaps in Shops an Bahnhöfen verkauft. Und in den Zügen darf auch weiter getrunken werden.

Lennartz: Ein generelles Verbot von Alkohol in den Bahnhöfen hätte sicherlich auch Vorteile. Aber das liegt nicht in unserem Entscheidungsbereich. Alkohol spielt ja in der gesamten Gesellschaft aus meiner Sicht eine sehr große Rolle. Aber dass nun im Bahnhof nicht mehr öffentlich Alkohol konsumiert wird, finde ich persönlich akzeptabel. Alkoholisierte Menschen dürfen sich ja auch weiterhin im Bahnhof aufhalten, wenn sie andere Menschen nicht belästigen. Ein Alkoholverbot gilt übrigens auch in der Bahnhofsmission.

epd-Gespräch: Dirk Baas