Bundesamt für Verfassungsschutz hat auf Scientologen weiter ein Auge
s:43:"Scientology-Gebäude in Berlin im Jahr 2007";
Scientology-Gebäude in Berlin im Jahr 2007
Köln (epd).

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat sich zur Einstellung der planmäßigen Beobachtung der „Scientology Kirche Deutschland“ geäußert. Nachdem Scientology auf Bundesebene in den vergangenen Jahren an Relevanz verloren habe, werde deren Bearbeitung im Bundesamt nicht länger als „eigenständiger Phänomenbereich“ fortgeführt, teilte die Behörde auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) am Montag mit. Daher tauche Scientology auch nicht mehr im Verfassungsschutzbericht auf.

Das Bundesamt erläuterte, dass man bei der Beobachtung von Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung Erkenntnisse in Phänomenbereiche wie Rechts- und Linksextremismus sowie Islamismus einordne. Die Einordnung diene „arbeitsorganisatorischen Zwecken“. Unabhängig von der Einstellung der Beobachtung von Scientology insgesamt würden aber „Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, die von diesem Personenpotenzial ausgehen“, auch weiter durch den Verfassungsschutz bearbeitet.

Experte: Scientology tritt kaum noch unter eigentlichem Namen auf

Der evangelische Sekten-Experte Matthias Pöhlmann hatte dem epd am Wochenende gesagt, unabhängig von der Entscheidung des Verfassungsschutzes verfolge Scientology weiter totalitäre und verfassungsfeindliche Ziele. Dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die Beobachtung beende, sei angesichts der merklich gesunkenen öffentlichen Wahrnehmung von Scientology zwar erwartbar gewesen. Gleichwohl sei Scientology nach wie vor gefährlich und antidemokratisch, erläuterte Pöhlmann, der bei der bayerischen evangelischen Landeskirche Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen ist.

Es sei nach wie vor so, dass Scientology viele seiner Mitglieder in enorme psychische und finanzielle Abhängigkeiten stürze, betonte der Sekten-Experte: „Diese Organisation missachtet unter anderem das Grundrecht auf freie Meinungsäußerungen massiv.“

Seinen Deutschland-Hauptsitz hat Scientology in München. Das bayerische Innenministerium hatte auf epd-Anfrage bereits am Samstag mitgeteilt, dass das dortige Landesamt für Verfassungsschutz bis auf Weiteres an der Beobachtung festhält.