Zahl für Zahl zum Ziel
Radeln nach Zahl
Das neue Knotenpunktsystem im Landkreis Konstanz macht die Orientierung im Radwegenetz über die Nummern der Knotenpunkte besonders einfach.
Die Bodenseeregion bietet Radfahrern eine simple Tourenplanung
Konstanz (epd)

Es geht auch ohne Faltkarte oder Navi: Wer am westlichen Bodensee mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann sich ab sofort an einem System orientieren, das ausschließlich mit Zahlen funktioniert. Im Landkreis Konstanz wurde ein 860 Kilometer umfassendes Radwegenetz mit einem neuen Leitsystem nach niederländischem Vorbild ausgestattet, das eine simple Tourenplanung ermöglichen soll. Man radelt einfach von Knotenpunkt zu Knotenpunkt - und jeder von ihnen trägt eine Nummer.

Anstatt unterwegs auf Karten oder Apps zu starren, genügt es, sich lediglich eine Zahlenfolge zu merken. An jeder Gabelung zeigen Schilder an, welche Nummer zum nächsten Knotenpunkt in der gewünschten Richtung führt. Wer also beispielsweise von Knotenpunkt 25 zu Punkt 28 und dann zu Punkt 31 fahren möchte, folgt einfach der entsprechenden Beschilderung. Informationstafeln an den Knotenpunkten geben zusätzlich einen Überblick über das umliegende Netz und erleichtern kurzfristige Änderungen der Route.


Von Vulkanen bis zum Weltkulturerbe


Das neue Netz verbindet dabei die landschaftlichen Glanzlichter der Region. Zehn speziell ausgearbeitete „RadgenussRouten“ führen zu beliebten Zielen. Eine davon ist die „Hegau-Panorama-Tour“, die immer wieder Ausblicke auf die markanten Vulkankegel der Landschaft freigibt. Eine andere Tour erschließt die Halbinsel Höri, die für ihre Verbindung von Natur, Kunst und Kulinarik bekannt ist. Auch die Unesco-Welterbe-Insel Reichenau lässt sich auf diese Weise entdecken, vorbei an mittelalterlichen Kirchen und Gemüsefeldern mit direktem Blick auf den See.


Weitere Routen führen durch die stillen Wälder und geschützten Moore auf dem Bodanrück oder folgen dem Flüsschen Aach durch renaturierte Auenlandschaften. Eine der Touren überschreitet sogar die Landesgrenze: Sie führt am Rhein entlang bis zum Rheinfall bei Schaffhausen in der Schweiz, wo sie an das dortige Wegweisersystem anknüpft. Das System soll so nicht nur Tagestouristen und Urlauber ansprechen, sondern auch Einheimischen neue Anreize für eine Feierabendrunde oder einen Wochenendausflug bieten.


Digitale Hilfe ist geplant


Ganz ohne Karte geht es allerdings nicht - denn die Tour muss ja vorher geplant werden. Eine Radfaltkarte gibt einen Überblick über das gesamte Netz und stellt die „RadgenussRouten“ vor. Steht die Zahlenfolge fest, kann die Karte wieder in der Schublade verschwinden. Erste E-Biker sind schon zu sehen, die sich die Knotenpunkt-Nummern der gewünschten Wegstrecke auf den Akku geklebt haben.

Für die Zukunft ist zudem ein digitaler Tourenplaner auf der Internetseite der Tourismusregion Westlicher Bodensee geplant. Mit diesem Werkzeug sollen sich individuelle Touren durch das Knotenpunktnetz am Bildschirm zusammenstellen lassen. Doch schon jetzt ist „Radeln nach Zahlen“ eine nutzbare Option für Bodensee-Touristen. 

 

Von Marcus Mockler