Kämpferin gegen den Kinderhandel
Salome Geiger
Salome Geiger hat die Organisation «Beyond Priceless» gegründet, um Kinder vor Menschenhandel zu schützen.
Kapstadt/Mühlacker (epd)

Das Südafrikanische Beaufort West ist ein Knotenpunkt für Lkw-Fahrer: Jeden Tag fahren hunderte Lastwagen durch die Stadt. Die Fahrer kommen aus Pretoria und Johannesburg, oder aus anderen afrikanischen Ländern wie Simbabwe. Oft sind sie monatelang auf der Straße unterwegs.

Bei Lkw-Stopps an Raststätten finden sich immer wieder Mädchen und Jungen, die von Banden gezwungen werden, sich an die Fahrer für Sex zu verkaufen, erzählt Salome Geiger, die aus der Nähe von Mühlacker (Enzkreis) stammt. Für einige der Trucker seien die Kinder tragischerweise eine willkommene Abwechslung, auch wenn sexueller Missbrauch von Kindern in Südafrika unter Strafe steht.

Treff für Trucker gegen die Einsamkeit

Genau hier setzt die Arbeit von Geiger und ihrer Organisation «Beyond Priceless» an: «Wir haben an einem der meistbefahrenen Truck-Stops Südafrikas eine große Umfrage unter Lastwagenfahrern gemacht - und waren erschüttert über das, was sie uns erzählten: Monate ohne Familie, tiefe Einsamkeit, traumatische Erlebnisse wie Unfälle oder Gesundheitsprobleme, die Spuren hinterlassen.»

Statt die Männer zu verurteilen, eröffnete «Beyond Priceless» im September letzten Jahres den «Truckers Hub» inmitten von fünf großen Lkw-Rastplätzen. «Wir sind da unter der Woche jeden Abend und bieten den Lastwagenfahrern einen Platz an, an dem sie reden können, und einfach einen Raum haben, um Gemeinschaft zu erleben.»

Lastwagenfahrer werden zu «Whistleblowern» gegen Menschenhandel

Die Mitarbeiter am Lastwagen-Stop sind dort fünf Tage die Woche aufzufinden. Eine Krankenschwester bietet kostenlose Gesundheitstests an und berät die Fahrer bei gesundheitlichen Problemen. Doch der «Truckers Hub» hat noch eine andere Funktion: Die Männer, die sich dort aufhalten, werden zum Thema Menschenhandel aufgeklärt und dann oft selbst zu Informanten: «Wenn sie unterwegs einen möglichen Menschenhandelsfall sehen, ermutigen wir sie, diesen zu melden.»

Außerdem hat «Beyond Priceless» eine App entwickelt, die Mitte November veröffentlicht werden soll. Sie soll Hinweise und relevante Beobachtungen sicherer erfassen und besser auswerten. «So möchten wir dazu beitragen, gefährdete Kinder schneller zu erkennen und ihnen Schutz und Hilfe zu ermöglichen.»

Banden locken Kinder mit Handys in die Schuldenfalle

Laut Zahlen des Büros für vermisste Personen des Südafrikanischen Polizeidienstes (SAPS) wird alle fünf Stunden ein Kind vermisst gemeldet. Etwa dreiviertel der Kinder werden wieder gefunden, aber ein Viertel bleibt vermisst, wird Opfer von Menschenhandel oder sogar später tot aufgefunden.

Die meisten der Kinder, die Opfer von Menschenhandel werden, kommen aus ärmsten Verhältnissen, weiß die 42-Jährige. Kriminelle Banden locken Kinder mit Handys oder Schuhen an, treiben sie in Schuldenfallen und zwingen sie zu Straftaten, Drogenverkäufen oder Prostitution. «Es gibt aber nicht nur sexuelle Ausbeutung, sondern auch Arbeitsausbeutung», erklärt sie. Kinder schuften auf Weingütern, in Minen oder betteln organisiert auf der Straße. Auch Eltern, die drogenabhängig sind, verkaufen ihre Kinder, um an Geld zu kommen.

Schutzhaus speziell für gerettete Kinder

Diese Not hat die gelernte Erzieherin schon seit mehr als 15 Jahren zu ihrem Herzensanliegen gemacht. Zuerst half sie, in Kapstadt ein Frauenhaus für Opfer von Menschenhandel aufzubauen, dann unterstützte sie die Einwanderungsbehörde dabei, am Flughafen in Kapstadt potenzielle Menschenhandelsopfer ausfindig zu machen und sensibilisierte Behörden und andere Organisationen für das Thema Menschenhandel.

Weil es bisher kaum eine eingetragene Organisation gibt, die sich in Südafrika gegen Kinderhandel einsetzt, gründete Salome Geiger im März 2025 gemeinsam mit einem sechsköpfigen Team die Organisation «Beyond Priceless», zu Deutsch: «Von unschätzbarem Wert» - eine Botschaft, die sie den Kindern mitgeben wollen, mit denen sie zu tun haben.

Im Mai eröffnete sie ein Schutzhaus speziell für gerettete und hochgradig gefährdete Kinder, in dem sechs junge Menschen drei Monate wohnen können. «Wurden Kinder gerettet, landeten sie bisher mangels Alternativen oft in Jugendgefängnissen oder staatlichen Heimen, die für diese traumatisierten Kinder völlig ungeeignet waren.» Durch das neue Schutzhaus ist es nun möglich, in Ruhe nach einer neuen Unterkunft für diese jungen Menschen zu schauen.

Kinderhandel wird mithilfe von Beyond Priceless aufgedeckt

Seit Kurzem hilft «Beyond Priceless» in einem anderen Gebiet in Südafrika ebenfalls dabei, die kriminellen Machenschaften von Kinderhändlern aufzudecken. «Das hat mich viele schlaflose Nächte gekostet, aber gleichzeitig bin ich auch dankbar, dass die Dinge ans Licht kommen.» Eine solche Arbeit ist gefährlich, man kann dabei auch schnell zur Zielscheibe werden, wurde Salome Geiger bereits von der südafrikanischen Polizei gewarnt. «Aber ich denke, es ist nicht unsere Aufgabe als Christen, es sich zu Hause im Sessel bequem zu machen, sondern dahin zu gehen, wo wir wirklich einen Unterschied machen können.»

 

Von Judith Kubitscheck (epd)