Zum Traumberuf durch «Direkteinstieg Kita»
Max Hoffmann
Dank «Direkteinstieg Kita» hat Max Hoffmann seinen Traumberuf gefunden.
Für berufserfahrene Menschen ist die Erzieherausbildung verkürzt
Freiburg (epd)

«Kannst du mir bitte helfen, Max?», fragt ein Junge im Hof des Ludwigskindergartens in Freiburg. Dort spielen gerade die drei- bis sechsjährigen Mädchen und Jungen der «roten Gruppe». Erzieher Max Hoffmann ist bei den Kindern nicht nur beim Fußballspielen sehr beliebt.

«Mir gefällt es, Kinder auf ihrem Weg ein Stück lang zu begleiten, sie beim Wachsen zu unterstützen und ihre Fortschritte zu sehen», erzählt der 47-Jährige. Das sei eine gesellschaftlich wichtige Aufgabe. «Wir machen Demokratie als Lebensform für die Kinder und mit den Kindern erfahrbar». Das sei besonders wichtig in Zeiten, in denen der demokratische Zusammenhalt zunehmend infrage gestellt werde.

Verkürzte Ausbildung bei «Direkteinstieg Kita»

Dass Max Hoffmann erst vor einigen Monaten seine Ausbildung zum Erzieher beendet hat, merkt man nicht. Hoffmann hatte ursprünglich eine Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht. Ein Studium der Grundschulpädagogik brach er ab. Danach war er als Schulkindbetreuer und pädagogischer Mitarbeiter beim Evangelischen Gemeindeverein der Ludwigskirche und Thomaskirche Freiburg tätig. Dort wurde ihm die Ausbildung über den neuen Bildungsgang «Direkteinstieg Kita» empfohlen.

Das vom baden-württembergischen Kultusministerium gemeinsam mit der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit entwickelte Konzept ermöglicht berufserfahrenen Menschen, eine verkürzte Ausbildung als sozialpädagogische Assistenten oder Erzieher zu machen. Während der rund zweijährigen Ausbildung bekommen sie ein volles monatliches Bruttogehalt von etwa 3.000 Euro.

Traumberuf gefunden

Das Gehalt habe ihm die Ausbildung erst ermöglicht. Den «Direkteinstieg Kita» könne er sehr empfehlen, sagt Erzieher Max strahlend: «Ich habe meinen Traumberuf gefunden.» Natürlich sei es erst einmal ungewohnt, nach vielen Jahren wieder in der Schulbank zu sitzen und in die Berufsschule zu gehen. Dort habe er viele interessante und hochmotivierte Menschen getroffen.

Auch der Leiter der evangelischen Kindertagesstätte, Kai Mayer, ist von dem Konzept überzeugt. Es sei sehr praxisnah und ermögliche den Quereinstieg, sagt der Fachwirt für Organisation und Führung: «Für uns ist es eine perfekte Lösung, um Fachkräfte zu gewinnen.»

Berufserfahrene Azubis sind Bereicherung für Kinder und Team

Von Vorteil sei es, dass die Personen mehr Lebenserfahrung hätten als junge Menschen. Im Herbst soll eine weitere berufserfahrene Auszubildende ihr Berufspraktikum in seiner Kita beginnen. Dass die Personen älter sind als er selbst, stört den 39-Jährigen dabei nicht: «Das ist eine Bereicherung für die Kinder und unser Team.»

Für die BA-Chefin in Baden-Württemberg, Martina Musati, zeigt der «Direkteinstieg Kita», dass es sich lohnt, neue, kreative Wege zu gehen, um Fachkräfte in Mangelberufen zu sichern. «Der Bildungsgang bietet Menschen mit Berufserfahrung, die sich nochmals neu orientieren, sehr gute Jobchancen.»

Konzept mit Dreifachwirkung

Die hohen Teilnehmerzahlen seien ein Indiz, dass Menschen mit Berufserfahrung durchaus bereit seien, beruflich neue Wege zu gehen. Das Konzept habe eine Dreifachwirkung, erläutert Musati: Es ermögliche Beschäftigten eine unkomplizierte Um- und Neuorientierung mit Weiterentwicklungsperspektive, leiste einen Beitrag zur Fachkräftesicherung und sichere Eltern, die vollzeitnah arbeiten möchten, dringend erforderliche Kita-Plätze.

Im Freiburger Ludwigskindergarten ist Mittagszeit. «Was gibt es heute zu essen?», fragt Charlize, die gemeinsam mit Emilia und Paulina in einem Gartenhäuschen spielt. 

 

Von Christine Süß-Demuth (epd)