«Bloom up! Die Sprache der Blumen» heißt die erste gemeinsame Ausstellung der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und des Badischen Landesmuseums (Karlsruhe). Sie ist vom 13. Juni bis 10. Januar 2027 in der Kunsthalle Baden-Baden zu sehen und widmet sich der kulturellen Bedeutung von Blumen über einen Zeitraum von mehr als 2.500 Jahren. «Wir wollen Geschichten erzählen», sagte der Direktor des Badischen Landesmuseums, Eckart Köhne, am 11. Juni dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Das Motiv der Blume für diese Landesausstellung sei gewählt worden, weil Blumen «etwas Universelles» hätten. «Jeder Mensch verbindet Erinnerungen, Gefühle oder besondere Momente mit ihnen», so Köhne. Die Schau stellt historische Exponate in Verbindung zur Perspektive der Gegenwart.
Bauernschränke und eine queere Hochzeit
Zu sehen sind rund 50 Objekte aus dem Bestand des Badischen Landesmuseums sowie Arbeiten von neun Künstlern, die teilweise für die Ausstellung neue Werke geschaffen haben. Die Kooperation mit der Kunsthalle ermögliche einen anderen Zugang zu den historischen Gegenständen des Landesmuseums, sagte Köhne. So finden etwa die mit Blumen bemalten Bauernschränke, die im 18. und 19. Jahrhundert traditionell zur Eheschließung als Mitgift geschenkt wurden, ihre Entsprechung in überdimensionalen Blüten, die sich ein queeres Künstlerpaar als Zeichen ihrer Liebe schenkte.
Über drei Meter groß spannt sich die rötliche Mohnblüte wie ein riesiger Sonnenschirm von der Decke der Kunsthalle. In ihrer Mitte der gelbe Stempel der Blüte, groß wie ein Einkaufskorb. Die Mohnblüte korrespondiert in der gegenüberliegenden Seite des Raumes mit Blütenblättern einer Forsythie, ebenfalls in Übergröße. Neben dem Zeichen der Liebe sind die beiden Blüten auch ein politisches Statement: Als Petrit Halilaj aus dem Kosovo und Àlvaro Urbano heiraten wollen, erkannte Kosovo die gleichgeschlechtliche Ehe noch nicht an; Spanien, die Heimat Urbanos, wiederum erkannte Kosovo nicht als Staat an.
Tulpe symbolisiert Leid und Widerstand
Wie facettenreich die Beschäftigung mit Blumen als Motiv sein kann, zeigen die unterschiedlich anmutenden Räume. Da gibt es einen Raum, in dem die Farbe Weiß als Ordnungsmuster vorherrscht, einen anderen, in dem die Tulpe zum Symbol für Leid und Widerstand wird. Der Film «Requiem» des 2019 verstorbenen litauischen Künstlers Jonas Mekas wird zum Sinnbild für die Schönheit des Alltags trotz gewalttätiger Unruhen.
Der Abschied vom Leben findet seinen Kontrast in dem blumenverzierten «Pietra-Dura»-Motiv, das die Verkündigungsszene darstellt. Eine Geruchsinstallation wiederum vereint über 10.000 Geruchsmoleküle und entführt Besucherinnen und Besucher olfaktorisch in das alte Gemäuer einer Kirche oder Klosters.
Blumen als Entschuldigung für Gewalttätigkeit
Blumen und ihr Kontext sind in der Ausstellung nicht chronologisch nach Epochen geordnet. Stattdessen erscheint «die Blume in unterschiedlichsten Konstellationen, als Zeichen der Zuneigung, der Verletzlichkeit, Symbol der Macht», sagt die Kuratorin Christina Lehnert und weist auf die Kehrseite der Sprache der Blumen hin: Blumen als Entschuldigung bei partnerschaftlicher Gewalt hinterlassen ein ambivalentes Gefühl beim Betrachten.
Im Mittelpunkt von «Bloom up! Die Sprache der Blumen» steht, wie sich die Sprache der Blumen im Laufe der Zeit gewandelt hat. Eine eigens für die Schau entwickelte App bietet einen digitalen Zugang zur Ausstellung. Informationen zu den Exponaten sind ergänzt mit Blicken in die Depots des badischen Landesmuseums. Die Landes-Sonderausstellung findet in der Kunsthalle Baden-Baden statt, weil das Badische Landesmuseum im Karlsruher Schloss derzeit umfassend saniert wird und für mehrere Jahre geschlossen ist.