Umweltbundesamt schützt Pinguin-Brutkolonie in der Antarktis
Dessau-Roßlau (epd).

Das Dessauer Umweltbundesamt ist für den Schutz der Danger Islands in der Antarktis zuständig. Die sieben kleinen Inseln liegen etwa 1.200 Kilometer südlich von Feuerland und beherbergen die weltgrößte Brutkolonie der Adelie-Pinguine, sagte Antarktisforscher und Ornithologe Fritz Hertel vom Umweltbundesamt am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Erst seit 2023 sei bekannt, dass auf den Inseln etwa eine Million Paare des Adelie-Pinguins brüten und diese somit die weltgrößte Kolonie dieser Pinguine bilden. Hertel war bereits 17 Mal in der Antarktis, davon mehrfach auf Forschungsmissionen des Umweltbundesamtes.

Deutschland und die USA hatten erreicht, dass die Inseln von der Konferenz der Antarktisvertragsstaaten 2024 zum Schutzgebiet erklärt wurden, sagte Hertel: „Doch mit der Trump-Administration kam der Rückzug der USA aus dem Projekt, sodass wir als Umweltbundesamt das Management des Schutzgebietes nun allein sicherstellen.“

Der Kontinent Antarktika ist mit rund 13,6 Millionen Quadratkilometern etwa um ein Drittel größer als Europa. Hinzu kommen Schelfeisflächen und das Südpolarmeer, welches von zahlreichen Tierarten bevölkert wird.

Forschungsmission im Segelboot

Mit einem Segelboot waren Hertel und weitere Forscher Ende 2025 von Feuerland aus auf Expedition im Südpolarmeer. „Es war der Startschuss für unser Dauermonitoring“, sagte Hertel. Die Ornithologen haben auf den Inseln Kot- und Blutproben der Pinguine genommen und 18 Tiere mit Sendern ausgerüstet: „Wir möchten wissen, wo die Pinguine zur Brutzeit im Dezember und Januar ihre Nahrung suchen.“ Zumeist erfolge das in Küstennähe. Aber bekannt sei auch, dass Pinguine mehrere Tage oder sogar länger als eine Woche auf Nahrungssuche unterwegs sind. Dieses Wissen sei elementar, um über einen geeigneten künftigen Schutz der Meeresgebiete zu entscheiden.

Obwohl die nächstgelegene Forschungsstation Argentiniens nur etwa 70 Kilometer von der Inselgruppe entfernt sei, sei über Jahrzehnte den Pinguinen dort keine Bedeutung beigemessen worden, sagte Hertel. Frühere Schätzungen gingen von etwa 20.000 bis 30.000 Brutpaaren aus: „Unsere Expedition hatte die Aufgabe, mit modernen Auswertungsmethoden die wirkliche Größe der Kolonie zu ermitteln.“ Etwa alle zwei Jahre solle künftig der Stand überprüft werden.

Drohnen helfen Forschern

Im Auftrag des Umweltbundesamtes haben Forscher des Thüringer Instituts für Nachhaltigkeit und Klimaschutz in Jena die Inseln mit Drohnen überflogen und tausende Bilder gemacht. Nun laufe die detaillierte Auswertung. Eine erste Schätzung gehe von mindestens einer Million Brutpaaren aus, sagte Hertel. Da Adelie-Pinguine erst mit etwa fünf Jahren fortpflanzungsfähig sind, müsse real von etwa 2,5 Millionen erwachsenen Pinguinen ausgegangen werden, dazu mindestens eine Million gerade geschlüpfte Jungtiere", ergänzte der Ornithologe.

Adelie-Pinguine kommen ausschließlich in der Antarktis vor. Die Vögel haben eine Länge von bis zu 70 Zentimetern. Die Forscher schätzen ihren Bestand auf insgesamt rund fünf Millionen Brutpaare. Damit lebt ein Fünftel aller Tiere dieser Art in der Kolonie auf den Danger Islands, sagte Hertel.

Von Thomas Nawrath (epd)