Sie heißen Royal Virgin, Purple Prince, Esta Bonita oder Strong Gold. Auf nahezu 40 Hektar bestem Bördeboden züchtet Christiane Degenhardt in Schwaneberg vor den Toren Magdeburgs Tulpen. Weiß, Lila, Gelb, Rot, Pink und Orange leuchten die Tulpenfelder in diesen Tagen. Schon ihr Urgroßvater Ernst hatte in seiner Gärtnerei in Magdeburg und ab 1906 auf den Feldern der Magdeburger Börde nicht nur Gemüse gezüchtet, sondern auch Lilien, Tulpen, Hyazinthen und Gladiolen. Heute sprechen die Leute vom „Klein Holland in Sachsen-Anhalt“ und fahren kilometerweit, um ein paar Schnappschüsse mit Handy oder Kamera von der vergänglichen Pracht einzufangen. Besonders am Wochenende ist der Ansturm groß.
Im Herbst kamen die Saatzwiebeln in die Erde. Zehn Zentimeter tief, damit der Frost ihnen nichts anhaben kann. Um die Osterzeit zeigten sich die ersten farbigen Spitzen im Grün der Tulpenpflanzen. Nun blühen die meisten Sorten in voller Pracht. Sehr zur Freude der Blumenliebhaber und Hobbyfotografen. Besonders am Wochenende ist der Ansturm groß.
Blütenpracht zum Selbstpflücken
Wer die blühenden Schönheiten mit nach Hause nehmen will, kann ein Pflückfeld am Ortseingang von Schwaneberg ansteuern. Hier wachsen die Tulpen zum Selbstpflücken. Christiane Degenhardt rät davon ab, sie mit Messer oder Schere zu schneiden. „Um dekorative, lange Blumen für die Vase zu ernten, sollte man die Tulpe möglichst tief greifen und vorsichtig aus der Erde ziehen“, so der Rat der Expertin.
Selbst wochentags um kurz nach zehn Uhr parken am Rande des Pflückfeldes schon etliche Autos. Mancher läuft gezielt durch die Blumenreihen und sucht noch geschlossene Blüten, um zu Hause möglichst lange Freude an den Blüten zu haben. Andere scheinen vom vielfältigen Angebot schier überfordert.
Bis etwa zum Muttertag am 10. Mai können dieses Jahr noch Tulpen in Schwaneberg gepflückt werden. Sollte es nicht zu heiß werden, vielleicht auch einige Tage länger. Danach ist die Tulpen-Saison vorbei.
Zwiebeln sind das Hauptprodukt
„Unser Hauptprodukt sind aber die Zwiebeln in der Erde, nicht die Blüten“, erklärt Sebastian Degenhardt. Der 26-jährige Landwirt hat mittlerweile die Geschäftsführung von seiner Mutter übernommen. Es sind jedes Jahr Millionen Tulpenzwiebeln, die die Degenhardts im Sommer auf den Feldern roden. Danach geht es ans Sortieren, Putzen und Verpacken. Je nach Sorte sind an der großen Zwiebel noch ein oder zwei kleinere Zwiebelchen. Das sind die Saatzwiebeln fürs nächste Jahr.
Die großen Zwiebeln gehen hingegen an Gärtnereien und Spezialbetriebe, die zumeist im Gewächshaus Schnittblumen züchten. „Die meisten unserer Kunden sind in Deutschland und den Niederlanden zu Hause“, berichtet Degenhardt.
Ab Mai beginnt das Köpfen
Die fruchtbaren Schwarzerdeböden nördlich des Harzes sind nach seinen Worten ideal für die Tulpenzucht. Doch um kraftvolle Zwiebeln zu ernten, braucht es noch mehr. „Tulpen haben relativ feine Wurzeln und reagieren empfindlich auf längere Trockenphasen“, erläutert er. Deshalb wird in der Blumenzucht häufig bewässert. Doch beim herkömmlichen Rieseln bestehe die Gefahr, dass Schimmel oder andere Krankheiten die Pflanzen schädigen. Deshalb werden in Schwaneberg die Tulpen per Tröpfchenbewässerung über einen rund 300 Kilometer langen Schlauch versorgt.
Aber noch wichtiger sei das Köpfen, sagt Degenhardt. Das bedeutet, die Blüten werden schon nach wenigen Tagen abgeschnitten, damit alle Kraft in die Zwiebeln geht. „Ohne jedoch die Blätter zu beschädigen“, sagt der Landwirt. Denn diese produzierten mittels Fotosynthese jene Nährstoffe, die in der Zwiebel angereichert werden. Ab Anfang Mai beginnt das Köpfen - dann verschwinden die bunt leuchtenden Fotomotive unter den Schermessern des Cutters.