Zur Förderung des Tourismus in der Südharz-Region wird am Helmestausee ein Naturerlebniszentrum errichtet. Wie der Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt dem Evangelischen Pressedienst (epd) mitteilte, wird bereits seit einem Jahr in Kelbra gebaut. Die Fertigstellung des rund acht Millionen Euro teuren Zentrums ist für August 2027 geplant, sagte Talsperren-Geschäftsführer Mario Hohmann: „Damit sind wir sicherlich zum Kranichflug im Herbst 2027 in Betrieb und können Vogelfreunde aus nah und fern an der Talsperre Kelbra begrüßen.“
Südlich des Harzes prägte der Kupferabbau über Jahrhunderte Landschaft und Menschen. Doch der Strukturwandel hat auch im Grenzland von Sachsen-Anhalt und Thüringen nicht Halt gemacht. Um neue Perspektiven zu eröffnen, stammen bis zu 90 Prozent der Baukosten für das „Naturerlebniszentrum Stausee Kelbra“ (NEST) aus Bundeshilfen zum Strukturwandel. So soll der bestehende Kranich-Tourismus im Herbst einen Schub erhalten, aber zugleich ein ganzjähriges Angebot für Vogelfreunde, Schulklassen und Urlauber eröffnet werden, hieß es.
Ein Eldorado für 300 Vogelarten
Für den Vorsitzenden der AG Kranichschutz Sachsen-Anhalt, Axel Schonert, geht damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Denn an manchen Tagen nutzen bis zu 50.000 Kraniche den Stausee als Rast- und Schlafplatz. Anders als an der Ostseeküste oder im Diepholzer Moor in Niedersachsen könnten die Vogelfreunde in Kelbra sehr nah an die Schlafplätze heran und die einfliegenden Kraniche hautnah erleben, sagte Schonert. Mit dem Neubau seien dort künftig „wirklich fantastische Naturerlebnisse möglich“.
Insgesamt fliegen im Herbst sogar ungefähr 150.000 Kraniche aus Nord- und Osteuropa Kelbra an. Die Talsperre mit ihren großen Flachwasserzonen sei „die letzte Möglichkeit, Pause zu machen und zu fressen, um dann tatsächlich bis Frankreich durchzufliegen“, erläuterte Schonert.
Hinzu kämen viele Tausende nordischer Gänse, etliche Entenarten wie die seltene Löffelente, aber auch Watvögel wie Uferschnepfe, Brachvogel oder Alpenstrandläufer. Insgesamt nutzten etwa 300 Vogelarten das geschützte Areal rund um den Stausee. Im Sommer jagen auch Fischadler und natürlich komme der Seeadler regelmäßig an den See, ergänzte der Vogelkundler. Auch Weißstorch und Kranich haben das Schutzgebiet mittlerweile zum Brutgebiet erkoren.
Meilenstein für Tourismusförderung
Die modernen Ausstellungsflächen und funktionalen Seminarräume im NEST sollen Besonderheiten der Region vorstellen sowie die Themen Naturschutz und Wasser, Artenvielfalt und nachhaltige Entwicklung mit interaktiven Elementen vermitteln. Zugleich soll der moderne Baukörper mit seinem markanten Faltdach nicht als Fremdkörper wirken. Deshalb werde das Gebäude „mit einer fein linierten Holzfassade versehen, welche das Gefieder des Kranichs“ nachzeichnet, sagte Talsperrenchef Hohmann.
Neben Räumlichkeiten des Talsperrenbetriebes sowie Naturschutz-Rangern wird das NEST vor allem mit einem Café und mit seiner Dachterrasse punkten. Der Bau sei „in Richtung Stausee ausgerichtet, sodass über die Dachterrasse ein direkter Blick auf die vielfältige Vogelwelt möglich ist“, ergänzte Hohmann.