Deutscher Naturschutztag in Berlin eröffnet
Berlin (epd).

Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Sabine Riewenherm, sieht den Naturschutz in Deutschland unter Druck. Es seien herausfordernde Zeiten, erklärte Riewenherm am Mittwoch in Berlin zur Eröffnung des 38. Deutschen Naturschutztages. Biodiversitätsverlust, Klimawandel, intensive Landnutzung und Finanzierungsfragen seien nur einige der drängenden Themen.

Zugleich beobachte sie eine zunehmende Polarisierung in den gesellschaftlichen Debatten rund um den Naturschutz. „Gerade in diesen Zeiten gewinnen Veranstaltungen wie der Deutsche Naturschutztag eine große Bedeutung“, betonte die Chefin des Bundesamtes.

„Natur, Mensch, Zukunft“

Zum 38. Deutschen Naturschutztag werden bis Freitag in Berlin rund 1.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie mehr als 150 Expertinnen und Experten erwartet. Der nach eigenen Angaben größte Naturschutzkongress im deutschsprachigen Raum steht unter dem Motto „Natur, Mensch, Zukunft“. Er feiert in diesem Jahr sein 100. Jubiläum. Im Mittelpunkt stehen den Angaben zufolge die vielfältigen Beziehungen zwischen Mensch und Natur, „die unsere planetare Zukunft entscheidend beeinflussen“. Thematisiert werden unter anderem Biodiversität und Klimaresilienz in urbanen Räumen wie auch die gesellschaftliche Dimension des Naturschutzes.

Der Deutsche Naturschutzring (DNR) warnte vor Einschränkungen beim Naturschutz zugunsten wirtschaftlicher Standortentscheidungen. In der politischen Debatte werde zunehmend der Eindruck vermittelt, „dass der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen einer wirtschaftlichen Entwicklung im Wege steht und zurückgefahren werden sollte“, kritisierte DNR-Geschäftsführer Florian Schöne.

"Naturschutz ist kein nice to have”

Eine gesunde Natur schütze, beuge zukünftigen Krisen vor und lohne sich auch volkswirtschaftlich. „Naturschutz ist kein 'nice to have' und keine Verhandlungsmasse für eine wahllose Deregulierung“, sagte Schöne.

Der DNT findet alle zwei Jahre in einem anderen Bundesland statt. Veranstalter sind der Bundesverband Beruflicher Naturschutz, das Bundesamt für Naturschutz, der Deutsche Naturschutzring und in diesem Jahr die Berliner Senatsumweltverwaltung.

Kritik an geplantem Stellenabbau

Berlins Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) verwies als Gastgeberin auf mehr als 50 Schutzgebiete in der Metropole: „Diese grünen Orte sind Erholungsräume, Lebensräume und Oasen gegen Hitze zugleich.“ Sie machten die Stadt lebenswert.

Christof Martin, Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Beruflicher Naturschutz (BBN), warnte die Bundesregierung vor einem Stellenabbau bei Naturschutzbehörden. Angesichts der weltweiten Biodiversitätskrise sei es widersinnig, im Rahmen der sogenannten „Bürokratiebeschleunigung“ Personal abzubauen und dem verbleibenden Personal dann aber noch zusätzliche Aufgaben aufzubürden. Eine Umsetzung des im Grundgesetz-Artikel 20a formulierten Staatszieles „Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Tiere“ erfordere vielmehr eine Stärkung des Natur- und Umweltschutzes auf allen Ebenen, sagte Martin.

Von Lukas Philippi (epd)