Mit einem feierlichen Auftakt am Moor „Kleine Hohe Warte“ und im Bahnhof Rennsteig ist in Thüringen ein Naturschutzgroßprojekt offiziell in die zehnjährige Umsetzungsphase gestartet. Das von Bund und Land geförderte Vorhaben soll die geschädigten Bäche, Moore und Bergwiesen im Thüringer Wald ökologisch aufwerten und damit Artenvielfalt, Klimaschutz sowie einen stabilen Wasserhaushalt langfristig sichern, teilte das Landesumweltministerium am Montag bei Frauenwald im Thüringer Wald mit. Trägerin des Projekts ist die Naturstiftung David.
Nach Angaben der Stiftung finden mehr als 2.600 Tier- und 1.900 Pflanzenarten im Unesco-Biosphärenreservat Thüringer Wald ein Zuhause. Viele von ihnen stünden auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Viele Bäche seien in ihrer ökologischen Funktion beeinträchtigt. In vielen Bereichen seien die Gewässer etwa durch zu klein dimensionierte Rohrdurchlässe, fehlendes Totholz und dichten Fichtenbewuchs an den Ufern gestört. Als Folge würden typische Bacharten immer seltener werden. Mit gezielten Renaturierungsmaßnahmen könnten diese Lebensräume jedoch wieder in einen naturnahen Zustand zurückgeführt werden.
Heimat von Schwarzstorch und Arnika
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) würdigte die Bedeutung des Vorhabens für Biodiversität und Klimaschutz. Im Thüringer Wald verbinde sich auf beste Weise Naturschutz mit regionaler Identität.
Thüringens Umweltminister Tilo Kummer (BSW) betonte in seinem Grußwort die besondere Verantwortung für die wertvollen Bergwiesen, Bäche und Moore rund um den Rennsteig. Der Thüringer Wald sei eine der herausragenden Naturlandschaften Deutschlands und weit über die Grenzen des Freistaats bekannt. Er sei Heimat von gefährdeten Arten wie Schwarzstorch, Feuersalamander oder der Arnika-Pflanze.
Der Geschäftsführer der Naturstiftung David, Adrian Johst, erinnerte an die Notwendigkeit einer breiten Unterstützung aus der Region. Es brauche Partner, um die wertvollen Lebensräume im Thüringer Wald nachhaltig zu entwickeln und langfristig zu sichern.
Moore werden wieder vernässt
Gerade intakte Fließgewässer, Moore und Wiesen bildeten nach Angaben der Stiftung einen natürlichen Hochwasserschutz, indem sie Wasser speichern und dessen Abfluss verzögern. Gleichzeitig regulierten sie den Nährstoffhaushalt und kühlten die Umgebung.
Angesichts des Klimawandels mit steigenden Temperaturen, zunehmender Trockenheit und häufiger auftretendem Starkregen würden diese Funktionen weiter an Bedeutung gewinnen. Zudem steigerten naturnahe Lebensräume die Attraktivität der Region und könnten so den Tourismus nachhaltig fördern.
6.100 Hektar Biotope
Grundlage des Naturschutzgroßprojekts ist demnach ein Pflege- und Entwicklungsplan für rund 6.100 Hektar Biotope im Biosphärenreservat. Er erfasst den Angaben zufolge etwa 16.000 Einzelflächen und 570 Bachkilometer. Vorgesehen sind unter anderem der Rückbau von Stauwerken in Fließgewässern, die ökologische Aufwertung von Bachläufen sowie Maßnahmen zur Wiedervernässung von Mooren. Auch Bergwiesen sollen durch angepasste Nutzung offen gehalten und invasive Arten zurückgedrängt werden. Das Projekt soll bis 2035 umgesetzt werden.