Die Diakonie Leipzig hat im vergangenen Jahr ein Projekt zur Ausbildung junger brasilianischer Menschen als Pflegekräfte in Deutschland begonnen. Neun junge Menschen werden seit September in Leipzig regulär ausgebildet, nachdem sie zuvor in Brasilien Deutsch gelernt haben.
Bei einem Besuch in Leipzig traf am Montag die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) die Auszubildenden. Köpping betonte dabei, dass nicht nur die brasilianischen Auszubildenden Integrationshilfe benötigten, sondern auch die deutschen Mitarbeiter und die Pflegebedürftigen vorbereitet werden müssten. Es sei wichtig, Vorbehalte abzubauen.
Vorbereitet auf Diskriminierungserfahrungen
Begleitet wurden die jungen Menschen bei ihrem Ankommen in Leipzig von der Integrationsbeauftragten der Diakonie, Taciane Murmel. Sie habe geholfen, die Wohnungen vorzubereiten und die alltäglichen Dinge zu regeln, berichtete Murmel. Zur Vorbereitung gehörte auch der Umgang mit Diskriminierungserfahrungen. Nennenswerte Probleme dieser Art habe es aber nicht gegeben, sagte sie.
Auswahl nach Bauchgefühl
Die Auswahlgespräche in Brasilien hatte der zentrale Praxisanleiter der Diakonie, Thomas Grassmann, geführt. Dabei habe vor allem das Bauchgefühl eine große Rolle gespielt, denn die meisten der Bewerber seien geeignet gewesen, berichtete Grassmann. Ihn freue die Entwicklung der jungen Menschen in Leipzig besonders. Die brasilianischen Auszubildenden hätten „die Sonne in die Teams gebracht“, sagte er. Zudem seien sie alle auf einem guten Leistungsstand. Er wünsche sich, dass einige von ihnen eines Tages selbst Verantwortung in der Ausbildung neuer Pflegekräfte übernehmen werden.
Chance auf Ausbildung
Der 20-jährige Pedro Oliveiria aus Caruaru-Pernambuco ist einer der neun Auszubildenden. Für ihn sei die Sprache die größte Herausforderung gewesen, erzählte er. Der Sprachkurs sei zwar wichtig, aber Deutsch habe er vorwiegend im Alltag gelernt. Auch wenn der Leipziger Winter für ihn zu kalt sei und er besonders zu Weihnachten die Heimat vermisse, möge er die Stadt: „Die Menschen, die sind wirklich toll.“ Stolz mache ihn, dass er schon jetzt jüngeren Azubis Dinge erklären und zeigen dürfe.
Gesundheitsministerin Köpping sagte, sie freue besonders, dass mit dem Diakonie-Projekt keine ausgebildeten Pflegekräfte aus Brasilien abgeworben werden, sondern junge Menschen die Chance auf eine Ausbildung bekommen. Denn auch Brasilien habe, wie Sachsen, perspektivisch einen hohen Bedarf an Fachpersonal. So würden 2030 in Sachsen rund 5.000 Pflegekräfte mehr benötigt.
Neuer Jahrgang in den Startlöchern
Das Projekt finanziert nach Diakonie-Angaben den Pflegekraft-Anwärtern den Besuch einer Sprachschule in Brasilien, bei dem sie Deutsch auf B2-Niveau erlernen. Das entspricht in etwa der fortgeschrittenen Mittelstufe. Währenddessen wird der Lebensunterhalt bezahlt. Danach beginnt die reguläre Ausbildung in Leipzig.
Auf einen entsprechenden Aufruf in Brasilien hatte die Diakonie im vergangenen Jahr demnach 450 Bewerbungen erhalten. Davon wurden elf junge Menschen ausgewählt. Neun davon werden in Leipzig ausgebildet. Im Juli werde ein weiterer Jahrgang aus Brasilien in Leipzig erwartet, hieß es. Zudem laufe bereits die Auswahl für einen dritten Jahrgang.