Caritas-Direktorin: Wohnungsnot ist "absoluter sozialer Sprengstoff"
Berlin (epd).

Die Berliner Caritas-Direktorin Ulrike Kostka warnt vor einem weiteren Anstieg der Zahl von Wohnungslosen in der Hauptstadt. Die Berliner Sozialverwaltung gehe davon aus, dass die Zahl bis 2035 auf bis zu 90.000 steigen werde, sagte Kostka in der „taz“ (Dienstag). Das sei „absoluter sozialer Sprengstoff“: „Darum muss die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum an erster Stelle einer neuen Koalition nach den Wahlen im September stehen.“

Mittlerweile kämen in die Caritas-Beratungsstellen der Wohnungslosenhilfe und in die Caritas-Sozialberatung Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen, sagte Kostka: „Denn es ist nicht immer nur eine Frage von Einkommen, sondern es geht um die Verfügbarkeit von Wohnraum überhaupt.“ Darunter seien Menschen aus der Mittelschicht, weil sie vor einer Eigenbedarfskündigung stehen, alte Menschen, die mit ihrer Rente Mieterhöhungen nicht mehr tragen können oder alleinerziehende Mütter und Familien.

„Absolute Hauptthemen“

Wohnungsnot und steigende Mieten seien in allen Caritas-Beratungsstellen „absolute Hauptthemen“. „In unserer Ehe- und Familienberatung hören wir zum Beispiel, dass Paare, die sich trennen wollen, das nicht können, weil sie keine zweite Wohnung finden“, sagte Kostka.

Sie habe bereits vor zehn Jahren davor gewarnt, dass auch Kinder und Jugendliche von Wohnungslosigkeit betroffen sind: „Wenn Familien wohnungslos werden, dann werden auch Kinder wohnungslos.“ Dass heute unter den rund 54.000 staatlich untergebrachten Menschen in Berlin 30 Prozent Kinder und Jugendliche sind, habe sie deshalb auch nicht überrascht.