Wenn die Seele krank ist
Ausstellung "Wie geht's?" im Deutschen Hygiene-Museum Dresden
Dresden (epd).

In Deutschland leidet jeder vierte Erwachsene im Laufe seines Lebens mindestens einmal an einer psychischen Erkrankung. Die Grenzen zwischen gesund und krank sind oftmals fließend. Doch weil das Innere eines Menschen nicht sichtbar ist, wird das Leiden oft nicht wahrgenommen. Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden hat sich dem Thema angenommen und zeigt von Samstag unter dem Titel „Wie geht’s?“ eine Ausstellung zu mentaler Gesundheit.

Die Direktorin des Museums, Iris Edenheiser, betont die „hohe gesellschaftliche Relevanz“. Seit Jahren gebe es eine deutliche Zunahme von seelischen Belastungen. „Mentale Gesundheit ist keine Privatsache, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe“, sagt Edenheiser.

Persönliche Interviews

Zentrales Anliegen der Ausstellung sei es, zu hinterfragen und Stigmata aufzubrechen. Dabei nutze das Museum das Wissen von Menschen, die von psychischen Krankheiten betroffen sind. Im Mittelpunkt stehen Interviews mit sieben Protagonistinnen und Protagonisten. Sie sagen Sätze wie: „Wo andere Leute keine Angst haben, kommt bei mir die Panik hoch.“ Oder: „Die Leute dachten, ich schauspielere nur.“

Die Schau gibt auch einen Überblick zur psychischen Gesundheit in Deutschland, die Art der Erkrankungen und zur Häufigkeit. Außer Zahlen und Fakten sind künstlerische Arbeiten zu sehen, die zum Teil von Betroffenen geschaffen wurden. Sie veranschaulichen, was im Alltag oft unsichtbar bleibt: der innere Zustand.

Aufgezeigt wird zudem, wo und wie Betroffene Hilfe finden und welche Rolle Diagnosen, Psychopharmaka und Alltagsstrategien spielen. Die Strategie einer Patientin etwa sei das tägliche Gebet. Sie stellte für die Ausstellung einen Gebetsteppich und eine Gebetskette bereit. Auch verbreitete Paradigmen und gesellschaftliche Normen werden thematisiert. Zu sehen ist die Ausstellung in Dresden bis zum 4. April 2027.

Armut erhöht das Risiko

Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde zählen zu den häufigsten Krankheitsbildern Angststörungen, Depressionen und Störungen wegen Alkohol- oder Medikamentengebrauchs. Edenheiser sagte, Diskriminierung, Einsamkeit und Armut erhöhten das Risiko für psychische Krisen. Damit sei mentales Wohlbefinden auch immer eine Frage der Gerechtigkeit.

Die Psychologin und wissenschaftliche Beraterin des Ausstellungsprojekts, Susanne Knappe, unterstrich: „Psychische Erkrankungen sind genauso häufig wie körperliche Erkrankungen, aber man sieht sie nicht. Wir können nicht sehen, was einer Person durch den Kopf geht.“

Meilenstein in der Diskussion

Eine solche Ausstellung sei „ein Meilenstein in der Diskussion“, sagte Knappe. Sie könne helfen, psychisch kranke Menschen ernst zu nehmen und Hemmschwellen abzubauen. Denn obwohl mehr als 25 Prozent der Menschen in Deutschland seelisch erkranken, suchten sich nur etwa ein Viertel von ihnen Hilfe. Das sei „verschwindend gering“; deshalb gebe es auch so lange Krankheitsverläufe.

Die Kuratorinnen Clarissa Lütz und Rebekka Rinner betonten, die Ausstellung richte sich vor allem an junge Menschen. Etwa die Hälfte der psychisch Kranken seien bereits im Kinder- und Jugendalter betroffen.

Von Katharina Rögner (epd)