Die Wartburg in Eisenach zeigt von Samstag an die Ausstellung „Geschichten von der Baustelle“. Präsentiert würden Schätze, Schrott und Skurrilitäten aus der Historie der fast 1.000 Jahre alten Burganlage, sagte Burghauptmann Martin Eberle am Donnerstag vor Ort. Vieles stamme aus den Depots des Museums, anderes sei im Zuge der aktuellen Bauvorbereitungen geborgen worden.
Die Ausstellung soll laut Eberle das Baugeschehen auf der Wartburg ergänzen, die während der anstehenden Sanierung geöffnet bleiben werde. Nur die Dauerausstellung ziehe während dieser Zeit in das Stadtschloss um. Viele nicht mehr benötigte Bauteile seien nicht weggeworfen, sondern glücklicherweise aufgehoben worden. So lasse sich nachvollziehen, dass die Burg seit ihrer Entstehung immer wieder verändert und umgebaut wurde. „Wir bauen, sie schauen“, sagte Eberle.
Drei Konservendosen stehen am Anfang
Im kommenden Jahr werden der Palas und der sogenannte Gadem auf der Wartburg umfassend saniert. Die Arbeiten stellen laut Eberle eine logistische Herausforderung dar. Sämtliche Materialien müssten durch das enge Burgtor angeliefert und der Schutt auf demselben Wege wieder abgefahren werden. „Und das bei laufendem Besucherbetrieb“, sagte der Burghauptmann.
Geplant ist, die Dächer neu zu decken und statische Mängel zu beseitigen. Einen Kran - etwa für den Gerüstbau - werde es nicht geben. Er passe nicht durch das Tor. Dennoch soll die Sanierung nach Angaben der Wartburg-Stiftung bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Anschließend öffnet das Haus wieder mit einer neu gestalteten Dauerausstellung.
Offensiv mit den Einschränkungen umgehen
Angesichts dieser Aufgabe will Eberle mit den Einschränkungen für die Gäste der Burg „offensiv umgehen.“ Zwar sei das Denkmal von außen nahezu vollständig eingerüstet. Das jedoch sei auf seine Art ein für die kommenden Jahrzehnte immerhin auch einmaliger Anblick. Ausgehend von diesem Ansatz sei auch die Bau-Ausstellung im Inneren der Burg zu verstehen.
Die Idee für die Schau lieferte laut dem Burghauptmann der Fund von drei Konservendosen im Dachstuhl über dem Festsaal. Zunächst als Reste einer Bauarbeitermahlzeit gedeutet, habe sich diese Hypothese nach dem Fund einer Büchse mit Schildkrötensuppe nicht aufrechterhalten lassen. Die Auflösung lieferte eine weitere Büchse, an der Reste der Dekorationsmaler hafteten. Die Dosen seien wohl aus der großherzoglichen Küche besorgt und dann als Farbtöpfe verwendet worden.
„Deutschland einig Vaterland“
Daneben zeigt die Schau kunsthistorisch oftmals weniger wertvolle Objekte, die im Laufe der Jahrhunderte auf der Burg gefunden wurden, die aber jeweils einzigartige Geschichten erzählen. Für Kuratorin Grit Jacobs ein besonderes Stück ist etwa jenes in der Burg verbaute Brett, auf das ein Handwerker - wohl inspiriert durch den Blick von der Burg auf die damalige deutsch-deutsche Grenze - die Worte „Deutschland einig Vaterland“ auf die Rückseite geschrieben hat.
Die Unesco-Welterbestätte Wartburg bei Eisenach gehört zu den bedeutendsten Burgen Deutschlands. Sie wurde im 11. Jahrhundert gegründet und war Wirkungsort der heiligen Elisabeth (1207-1231). Martin Luther (1483-1546) übersetzte hier 1521/22 das Neue Testament ins Deutsche.