"Während die Abendmesse gesungen wurde"
Neue Erkenntnisse über Kaiser Otto den Großen zum Todestag
Magdeburg (epd).

Der Chronist und Bischof Thietmar von Merseburg berichtet, dass Kaiser Otto I. (912-973) im Jahre 973 „am Dienstag vor Pfingsten nach Memleben kam und saß am folgenden Tage noch ganz vergnügt zur Tafel“. Doch „während die Abendmesse gesungen wurde, ward er unwohl und ohnmächtig“ und starb am 7. Mai. Gut einen Monat später wurde der Kaiser des Römischen Reiches im Mauritiusdom zu Magdeburg beigesetzt.

Über die Ereignisse des zehnten Jahrhunderts im heutigen Deutschland berichten uns nur wenige Schriftquellen wie Thietmar, sagt Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller. Doch mittels archäologischer Ausgrabungen wird das Bild über die ottonische Herrschaftszeit immer genauer. So hat die Archäologie etwa bestätigt, dass „das heutige Sachsen-Anhalt ein Kernland der Ottonen ist“, ergänzt Meller.

Herzogssohn aus der „Goldenen Aue“

Otto wurde im November 912 als Sohn des sächsischen Herzogs Heinrich in Wallhausen geboren. Die Region südlich des Harzes ist bis heute wegen ihrer fruchtbaren Böden als „Goldene Aue“ bekannt und zählte zu den Stammlanden der Familie. Mit der Krönung Heinrichs zum König des ostfränkisch-deutschen Reiches wuchsen die Herausforderungen - auch für Otto. „Als Sohn wurde er in jenen Zeiten auf alle Fälle für ein kriegerisches Dasein ausgebildet“, sagt Ottonen-Experte Stephan Freund von der Universität Magdeburg.

Förderung für Magdeburg

Als 936 Heinrich starb, ließ sich Otto in Aachen zum König krönen und begann den Handelsplatz Magdeburg massiv zu fördern, wie Historiker Freund bestätigt. Neben umfangreichen Bauarbeiten an der Pfalz und der städtischen Befestigung stifteten Otto und seine Gemahlin Editha im September 937 das Mauritiuskloster. In der Folgezeit erhielten Kloster und Stadt regelmäßig umfangreiche Schenkungen oder besondere Rechte, wie Markt und Münze.

Zudem feierte Otto mehrfach hohe Kirchenfeste in Magdeburg. „Mit langem Atem und großer Geduld“ verfolgte Otto, der 961 vom Papst zum Kaiser des Römischen Reiches gekrönt wurde, den Plan, in Magdeburg einen Erzbischofssitz einzurichten. Als dies 968 gelang, rückte „Magdeburg dadurch in die erste Reihe der herausragenden Orte des Reiches“ auf, unterstreicht Freund.

Archäologen finden Kaiserdom Ottos

Bei Forschungsgrabungen auf dem Domplatz wurden zwischen 2001 und 2005 vom Archäologen Rainer Kuhn Fundamente und Ausbruchgräben eines 41 Meter breiten Gebäudes freigelegt. Aufgrund mehrerer Bestattungen, darunter auch zwei gemauerte Gräber aus der Zeit um 960, stand für Kuhn fest: Auf dem Domplatz erhob sich zur Regierungszeit Ottos des Großen ein Kirchenbau und kein Palast - wie es bis dahin angenommen wurde. Im zehnten Jahrhundert findet sich ein Sakralbau mit 41 Meter Breite „in Mitteleuropa nur an zwei weiteren Steingebäuden: dem Trierer Dom und dem Alten Dom zu Köln“, erläutert Kuhn.

Diese Kathedrale wurde wohl 946 zur letzten Ruhestätte von Königin Editha sowie 973 für Kaiser Otto. Vermutlich Anfang des elften Jahrhunderts wurden beide Gräber nach Süden in einen neuen Kirchenbau verlegt, der beim Stadtbrand 1207 so stark geschädigt wurde, dass an gleicher Stelle der bis heute erhaltene spätromanisch-gotische Dom errichtet wurde. Hier wurde im Vorjahr der beschädigte Steinsarkophag geöffnet, um das Grab denkmalgerecht zu stabilisieren.

Otto ist wirklich im Grab

Aus diesem Anlass konnten auch die sterblichen Überreste untersucht werden, erläutert Landesarchäologe Meller. Und er unterstreicht: „Otto der Große ist für die Landesidentität ganz entscheidend. Nicht nur für Magdeburg, sondern fürs ganze Land.“ Umso größer war die Freude, als im März nach Auswertung von anthropologischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen feststand: „Otto ist Otto!“ Demnach handelt es sich bei dem Toten aus dem Kaisergrab mit großer Sicherheit um Otto den Großen. „Es passt auch genetisch perfekt“, ergänzt Meller. Ottos Wiederbeisetzung soll am 1. September im Magdeburger Dom erfolgen.

Von Thomas Nawrath (epd)