Leipziger Museum zeigt lateinamerikanische Kunst
Leipzig (epd).

Das Leipziger Grassi Museum zeigt von Donnerstag an rund 200 Exponate lateinamerikanischer Kunst. Die Ausstellung unter dem Titel „The Soul of Objects“ umfasse Arbeiten von 56 Kunstschaffenden aus 13 Ländern, sagte die argentinischstämmige Kuratorin Lujan Cambariere am Mittwoch in Leipzig. Darunter befinden sich etwa Schmuck, rituelle Gegenstände, kunstvolle Kleidung, handbemalte Vögel aus Holz, Skulpturen, Keramik und farbenfrohe Wandteppiche.

Erste Überblicksausstellung in Europa

Wie die stellvertretende Direktorin des Museums, Anett Lamprecht, am Mittwoch in Leipzig sagte, ist es die erste Überblicksausstellung zum Kunsthandwerk Lateinamerikas in Europa. Bisher habe es im europäischen Raum lediglich Präsentationen zum Werk einzelner Designerinnen und Designer gegeben, sagte sie. Nun seien Objekte aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Kolumbien, Mexiko, Peru, Paraguay, Uruguay und Venezuela vereint zu sehen.

Kuratorin Cambariere sagte: Lateinamerika sei keine Region der großen Technologien und Industrien wie etwa Europa. Es gebe eine ganz eigene DNA. „Die Seele ist nicht etwas Esoterisches für uns, sondern etwas, was wir mit anderen teilen“, sagte die in Berlin lebende Journalistin und Kuratorin Cambariere. Dies spiegele sich auch im Design.

„Mit dem Herz in der Hand“

Die Objekte seien nicht nur natürlich, schön und nützlich, sie hätten auch einen rituellen Wert. Zudem zeigten sie die Leidenschaft der Künstlerinnen und Künstler. „Das Herz ist ganz wichtig in der Kunst“, sagte sie: „Wir arbeiten immer mit dem Herz in der Hand.“

Mit der Ausstellung in Leipzig wolle sie auch zeigen, wie Gemeinschaft in Lateinamerika funktioniert, sagte Cambariere. In dieser Region werde Design und Kunst dafür genutzt, soziale Inklusion zu erreichen und Menschen einzubinden.

„Design ist für uns wichtig und bedeutet, eine bessere Welt zu zeigen“, sagte die Kuratorin. Die Kunst der Gegenwart nehme das Erbe der Vorfahren auf, die „große Meister“ waren und „ganz und gar nicht primitiv“.

Heterogene Kunstszene

Laut Lamprecht gibt die Präsentation einen Überblick auf „die lebendige, vielschichtige und heterogene Kunstszene“ Lateinamerikas. Etwa sind gefärbte Bohnensamen der Kolumbianerin Xandra Uribe zu sehen, die in Zusammenarbeit mit Goldschmiedinnen und Goldschmieden kunstvolle Stücke formt. Von den mehr als 400.000 bekannten Pflanzenarten in Lateinamerika sind Bohnen ursprünglich auch zur Herstellung von Schmuck angebaut worden und für das Ritual des Wahrsagens.

Die Exponate von indigenen Gruppen, Kunsthandwerkern und Künstlerinnen sowie von Newcomern sind oft aus natürlichen Materialien wie Holz, Pflanzenfasern, Wolle, Ton oder Metallen gefertigt. Die ältesten Stücke stammen aus den 1940er Jahren, die Mehrzahl sei ab den 1970er Jahren bis heute entstanden. Themen der Ausstellung, die bis zum 27. September in Leipzig zu sehen ist, sind auch der ökologische Umgang mit natürlichen Ressourcen, die Rolle des Kunsthandwerks im Prozess der Dekolonialisierung sowie das Recycling von Materialien und fairer Handel.

Von Katharina Rögner (epd)